Künstler mischen sich ein

Besucher interagieren in der Ausstellung "Politiken des Designs" im Kunstraum in Potsdam, einer Ausstellung des Fachbereichs Design der FH Potsdam
imago/Martin Müller

Oft wird gefragt: Wo sind die Intellektuellen und Künstler, wenn es um die drängenden gesellschaftlichen Fragen unsere Zeit geht. Es gibt sie. Pop und Provokation, Theater und Taten, Dichten und Denken: So viel Engagement auf Bühnen und Lesungen, in Konzertsälen und Ausstellungen war schon lange nicht mehr. Inforadio stellt sie vor, die kritischen Querdenker und kreativen Köpfe bei uns in der Region und ihre Ideen für die Gesellschaft - nach allen Regeln der Kunst. Aber haben Maler, Komponisten und Schriftsteller überhaupt die Macht, etwas zu bewegen? "Künstler mischen sich ein" - das Thema von Inforadio am Pfingstmontag.

Berlin hat ein neues Freiheitsdenkmal
imago/epd

- Jörg Heiser - wie politisch muss Kunst sein?

Wer einen Blick in die Kulturprogramme der nächsten Zeit wirft, kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass sich die bloße Zahl der politischen Kulturbeiträge deutlich gesteigert hat. Wie politisch muss Kunst eigentlich sein? Und bringt das überhaupt etwas, wenn Künstler sich engagieren mit Worten - und mit ihrer Kunst? Darüber spricht Anna Pataczek mit Jörg Heiser vom Institut Kunst im Kontext der UdK.

Simon Strauß
Martin Walz

- Generationen-Diskurs: "Sieben Nächte" von Simon Strauß

Nähe zum Faschismus - sagten die einen, eine "fatale Fehllektüre" nannten es andere. Anfang des Jahres gab es eine hitzige Diskussion in den deutschen Feuilletons um die Erzählung "Sieben Nächte" des jungen Autors Simon Strauß. Das Ganze liest sich wie ein Generationenroman der heute Mitte bis Ende Zwanzigjährigen, die einer priviligierten Generation angehören, die bisher nichts zu erkämpfen hatte. Simon Strauß selbst ist noch keine 30, Theaterkritiker der FAZ, "Sieben Nächte" sein vielbeachtetes Buch. Harald Asel hat den Autor zum Gespräch getroffen.

Buch: Klaus Wagenbach - Die Freiheit des Verlegers
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- Was ist aus den Protagonisten des 68er-Geistes geworden?

Sie protestierten gegen das Establishment, den Vietnamkrieg, die verstaubte Sexualmoral und das Schweigen, wenn es um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ging: die 68er-Bewegung. Dieser Umbruch wirkte sich nicht nur auf die Politik und die Gesellschaft der Bundesrepublik aus, sondern auch auf Kunst und Kultur. Was machen die Protagonisten 50 Jahre nach '68? Zum Beispiel der Berliner Wagenbach Verlag, die Filmemacherin Ula Stöckl oder der Schriftsteller Christoph Hein, der schon zu DDR-Zeiten immer angeeckt ist.

Die deutsche Rapperin Sookee
imago stock&people

- Themen und Kunst der jungen Generation

"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen", so der Komiker Karl Valentin. Manchmal jedoch lohnt es sich, genauer hinzuhören und hinzuschauen vor allem bei Künstlern der jungen Generation. Ihr Blick auf die Welt kann oft anders und überraschend sein. Wir wollen wissen: Was beschäftigt sie? Und wie packt sie das in Kunst? Rapperin Sookee zum Beispiel kann man auf keinen Fall mit den Echo-Skandal-Rappern Farid Bang und Kollegah in einen Topf werfen, ganz im Gegenteil. Die Multikulti-Satiretruppe "Datteltäter" veröffentlicht Video-Sketche auf Youtube und Facebook.

Jenni Mole und Morius Enden (Zentrum f. Politische Schönheit) beim Nachbau als symbolische Außenstelle des Berliner Denkmals für die ermordeten Juden Europas durch das Zentrum für politische Schönheit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnhaus von Björn Höcke (AfD)
imago/snapshot

- Projekte und Künstler

Krieg in Syrien, die Krise Europas, Trump, Klimawandel, Flüchtlinge, Globalisierung, metoo-Debatte, soziale Ungerechtigkeit: Die Welt hat derzeit viele Themen und Zukunftsfragen auf dem Zettel. Und die Künstlerinnen und Künstler reagieren. So viel spannende, politische Kunst war schon lange nicht mehr, auch in Berlin und Brandenburg. Da wären zum Beispiel die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit", der Autor und Regisseur Falk Richter oder die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, die für mehr Frauenrollen im Film kämpft.    

Tragetaschen in der Ausstellung Politiken des Designs im Kunstraum in Potsdam - eine Ausstellung des Fachbereichs Design der FH Potsdam
imago/Martin Müller

- Wie politisch kann Kunst sein?

Kann E-Musik politisch sein und wie soll das dann klingen? Der Komponist und Klangkünstler Georg Klein beantwortet diese Frage mit jeder seiner Arbeiten. Auch mit Design kann man politisch verantwortlich umgehen - das zeigt die Designerin Myriel Milicevic in ihrer Arbeit mit Design-Studenten an der FH-Potsdam. Für das Theater gehört es längst zum Selbstverständnis, politisch zu sein. Ein ganz besonderes politisches Theater in Berlin ist das Maxim Gorki - mit einem ungewöhnlichen Ensemble unter der Intendantin Shermin Langhoff. Und: Waren Comics schon immer gesellschaftskritisch, sind es die Graphic Novels noch viel ausdrücklicher.

Künstlerin der Arbeit
Katharina Albrecht, Inforadio rbb

- Engagierte Kunst

Haben Kunst und die kreativen Ideen von Künstlern die Macht, etwas für die Gesellschaft zu bewegen, wenn es beispielsweise um die Zukunft der Arbeit geht? Das Kanaltheater Eberswalde jedenfalls möchte mit dem Stück "2038 - Die große Freiheit" vorausschauen in eine Zeit, in der Roboter die Arbeit der Menschen vollständig übernommen haben. Auch im Kunstprojekt von Antje Schiffers geht es um Arbeit, darum, wie sich die Landwirtschaft gewandelt hat - und bei der Berliner Band Kafvka gehen kritische Texte und politisches Engagement Hand in Hand.

Der chinesische Künstler Lv Shang
ARD/Axel Dorloff

- Künstler mischen sich ein: Der Blick in die Welt

Wie reagieren Kunst und Künstler weltweit auf Konflikte und Krisen? Wir schauen nach China, wo es uneingeschränkte Kunstfreiheit nicht gibt, nach Großbritannien mit seinem bevorstehenden Brexit, nach Katalonien mit seinem Drang nach Unabhängigkeit - und in die USA in Zeiten von Trump. Dort soll in Washington im September sogar ein ganzes Museum für politische Kunst eröffnet werden.