Fontanopolis - der Pfingstmontag im Zeichen von Theodor Fontane

Theodor Fontane als Wanderer in der Mark, Karikatur von August von Heyden, 1860er Jahre, in: Theodor Fontanes engere Welt. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Mario Krammer, Berlin 1920
Theodor Fontanes engere Welt. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Mario Krammer, Berlin 1920

Er spricht von der Ängstlichkeitsprovinz und dem Begeisterungsgebäude, von Zärtlichkeitsallüren und dem Gespensterbedürfnis: Theodor Fontane, der Wortschöpfer, der Dichter und Schriftsteller. Aber er war auch Kriegsberichterstatter, Journalist, Presseagent und: Apotheker. Fontane war einer der ersten Pauschaltouristen und nicht so gut zu Fuß, wie seine Wanderungen durch die Mark Brandenburg glauben machen. Der gebürtige Neuruppiner war ein moderner Medienmensch -  und heute: wäre er Blogger oder Poetry Slammer? Warum lohnt es sich, Effi Briest, Der Stechlin und die Wanderungen wieder zu lesen? Wo hat Theodor Fontane Spuren hinterlassen? Warum war er ein Frauenversteher? In welcher Zeit hat er gelebt? Reisen Sie mit Inforadio nach Fontanopolis. Entdecken Sie Theodor Fontane - im Kultur Spezial am Pfingstmontag.

Beiträge und Interviews

Ein Ausschnitt aus einem originalen Brief des Schriftstellers Theodor Fontane an seine Frau Emilie (Bild: dpa-Zentralbild)
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Widersprüche, Brüche und Ehebriefe: Fontane als Mensch

"Es war ein schönes Leben mit ihm, und ich würde es gleich noch einmal beginnen", sagte Emilie Fontane am Totenbett ihres Mannes. Fast 50 Jahre waren die beiden verheiratet. Sorgenfrei war das Leben an der Seite von Theodor Fontane nicht: Geldprobleme, drei Söhne, die kurz nach der Geburt sterben, wechselnde Berufe und Stellungen, Umzüge. Theodor Fontane hat einen Lebenslauf voller Brüche. Auch in Bezug auf seine politische Einstellung: Gerade noch Barrikadenkämpfer, im nächsten Moment im Dienst der preußischen Regierung. Wie hat der gebürtige Neuruppiner all diese Widersprüche vereinbart? Was verraten die Ehebriefe an Emilie über den Menschen Fontane?

Film "Effi Briest" mit Hanna Schygulla und Ulli Lommel, Regie: Rainer Werner Fassbinder (Bild: imago/United Archives)
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Briest, Stechlin, Frau Jenny Treibel – modern oder reif für die Mottenkiste?

Warum ist "Effi Briest" der berühmteste und populärste Roman von Fontane? Was macht ihn auch heute noch modern? Wieso ist Theodor Fontane ein Frauenversteher? Wie konnte der Vielschreiber und Viel-Korrigierer, der Journalist, Reiseschriftsteller, Dichter, Romancier und Kriegsberichterstatter so viele verschiedene Bälle gleichzeitig in der Luft halten und was hat das mit seinem Schreiben gemacht? Diese Fragen bespricht Nadine Kreuzahler mit dem Literaturwissenschaftler und Vorsitzendem der Theodor-Fontane-Gesellschaft, Roland Berbig.

Zeichnung: Revolution 1848 in Berlin (Bild: imago)
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Eisenbahn-Fan, Medienjunkie und Revolutionär: Theodor Fontane in seiner Zeit

Umbrüche bestimmten das 19. Jahrhundert: die Revolution von 1848, die Reichsgründung 1871, das neue Massenmedium Zeitung und die Eisenbahn als modernes Verkehrsmittel. Theodor Fontane war mittendrin - als Barrikadenkämpfer, Kriegsreporter und Schriftsteller; als Beobachter und Kommentator des Zeitgeschehens. Er war ein Eisenbahn-Fan und er wusste den wachsenden Zeitungsmarkt für sich zu nutzen. Wie hätten Radio-Nachrichten zu Fontanes Zeit geklungen? Was trieb den Dichter 1848 auf die Barrikaden?  

Gaststätte Baumgartenbrück zu Fontanes Zeiten, ganz links Gottfried Eduard Herrmann (Bild: Frank Herrmann/Restaurant Baumgartenbrück)
Frank Herrmann/Restaurant Baumgartenbrück
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"Ob du reisen sollst, so fragst du": Fontane, der Reisende

Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der Massentourismus Fahrt auf, dank der Industrialisierung und neuer Verkehrsmittel wie der Eisenbahn. Theodor Fontane gehörte zu den ersten Pauschaltouristen. Wenn Fontane unterwegs war, war er aber nie einfach nur Tourist. Aus seinen Reisen machte er Zeitungsartikel, Bücher und Romane. Er arbeitete als Korrespondent in London und verewigte seine Touren durch die Mark Brandenburg in seinen "Wanderungen". Dabei schnürte er nicht immer wirklich die Wanderschuhe. Wie reiste man im 19. Jahrhundert?  

Wertvolle Erstausgaben des Schriftstellers Theodor Fontane stehen im Theodor-Fontane-Archiv in Potsdam (Bild: dpa-Zentralbild)
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Fontane, der Schreibende: ein Frauenversteher und Realist

Effi Briest, Stine, Cecile, Grete Minde: Fast immer erzählt Theodor Fontane von Frauen mit Knacks, die gegängelt und unterdrückt werden. In ihnen spiegelt sich die wilhelminische Gesellschaft mit ihren Zwängen und Konventionen wider. Und die Männerfiguren? Barone, Grafen und alte Väter, abgesunkener Adel und junge Rebellen. Warum aber sollten wir Fontane überhaupt noch lesen? Er hat uns ja schon in der Schule gelangweilt. Mit Hörspielen und Hörbüchern aus verschiedenen Jahrzehnten lässt sich der Brandenburger Großschriftsteller aber noch mal neu entdecken. Außerdem: Was vom Schreiben übrig blieb – ein Blick ins Fontane-Archiv in Potsdam.

Exponat der Ausstellung fontane.200/Autor (Bild: imago images / epd)
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Romanschriftstellerladen und Serienformate

Würde Theodor Fontane heute leben, würde er vielleicht Serien für Netflix und Co schreiben. Seine Romane jedenfalls erschienen fast alle zuerst als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen und Zeitschriften. Fontane nutze die modernen Medien und wusste, wie er damit Geld verdienen konnte. Sein "Romanschriftstellerladen" war ein Familienunternehmen und er sammelte Skizzen, Szenen, Figuren und Dialoge wie ein Besessener. Wie arbeitete Fontane? Wieso lassen sich seine Theaterkritiken aus dem 19. Jahrhundert auch heute noch so gut lesen?

Schloss Liebenberg (Bild: imago/Jürgen Heinrich)
imago/Jürgen Heinrich
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Über die Dahme, durch Zerben und Berlin: Theodor Fontanes Orte und Landschaften

In den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" hat Theodor Fontane sie beschrieben: seine Spritztouren in die Umgebung, zu Lande und zu Wasser. Was ist von diesen Landschaften heute noch zu sehen? Das Dörfchen Zerben nahe der Elbe lockt mit einer Fan-Tour: Hier war Elisabeth von Ardenne zu Hause – die Frau, deren tragische Liebesgeschichte das Vorbild für Effi Briest werden sollte. In seiner Wahlheimat Berlin hat Theodor Fontane viele Spuren hinterlassen: als Apotheker im heutigen Kreuzberg zum Beispiel.

Playmobil-Spielfigur Theodor Fontane (Bild: Kulturkirche Neuruppin)
Kulturkirche Neuruppin
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Fontanemania, Fontane in der Schule und Fontane als Blogger – der Dichter hier und heute

Fontane-Fritten und Fontane als Playmobilfigur - zum 200. Geburtstag des Brandenburger Schriftstellers gibt es allerhand Kurioses auf dem Markt. Wo die Fontanemania mit vielen durchgeht, schütteln andere nur den Kopf: Schüler und Schülerinnen, die sich auch heute noch mit Effi Briest durchs Abitur quälen. Was würde Fontane wohl dazu sagen? Wahrscheinlich würde er twittern, bloggen und youtuben. Wir lassen Fontane im 21. Jahrhundert wieder auferstehen, setzen uns ins Klassenzimmer und suchen nach den Autoren und Autorinnen, die die Fontanes von heute sind.

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Fontane in Berlin und Brandenburg

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