Unternehmer Uwe Bahr aus Bad Freienwalde (Bild: rbb/Dominik Lenz)
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#dasbrauchtdeutschland - sechs Menschen - Uwe Bahr geht pragmatisch an Politik heran

Die Ansichten, ob man mit politischem Engagenment etwas erreichen kann, sind durchaus unterschiedlich. Uwe Bahr aus Bad Freienwalde sagt ganz klar: "Ich erreiche ständig etwas - auf kommunaler Ebene." Der Bau-Unternehmer sitzt in der Stadtverordnetenversammlung - als Ortsvorsteher für Neuenhagen. Dominik Lenz hat ihn getroffen.

Glühende Hitze im Bad Freienwalder Ortsteil Neuenhagen. Kein Mensch zu sehen in dem 800-Seelen-Ort. Nur aus der Sporthalle dröhnt laute Musik. Acht junge Mädchen und ein junger Mann von der Funkengarde des Neunhagener Carnevals Clubs NCC üben für den nächsten Auftritt, schwingen Arme und Beine und haben ganz offensichtlich Spaß dabei.

Uwe Bahr mit der Funkengarde des Neunhagener Carnevals Clubs NCC (Bild: rbb/Dominik Lenz)
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Am Rand steht der 62-jährige Uwe Bahr und klatscht im Takt zur Musik. Bahr ist Präsident des NCC, für die Kids erster Ansprechpartner, wenn irgendetwas schief läuft: "Das halte ich schon immer so seitdem ich Präsident bin. Wenn einer damit ein Problem hat, dann soll er zu mir kommen und wir reden drüber."

Uwe Bahr - groß, schlank, weißes Haar und Schnurrbart -  ist ein Macher, gewohnt Verantwortung zu übernehmen, daran lässt er keinen Zweifel. Von Beruf ist er erfolgreicher Bauunternehmer, doch seit vielen Jahren engagiert er sich politisch - aus Überzeugung: "Ich kann eigentlich nicht anders", meint er.

Hintergrund

Schloss in Bad Freienwalde (Bild: imago/Joachim Schulz)
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- Bad Freienwalde wird immer älter

Gut 12.000 Menschen leben in der Kleinstadt im Oderbruch, nordöstlich von Berlin im Landkreis Märkisch-Oderland. Sie halten viel auf ihr staatlich anerkanntes Moorheilbad. Doch Steuereinnahmen für wichtige Investitionen fehlen, weil immer mehr Menschen wegziehen. Polen ist nur zehn Kilometer entfernt, nach Berlin gibt es keine durchgehende Zugverbindung. Eine Sorge hier: Wo kommt der Nachwuchs her?

In der Umbruchzeit 1988 kam Bahr zum Neuen Forum, seit der Wende mischt er mit in der Regionalpolitik, war unter anderem Bürgermeister von Neuenhagen, wo er heute Ortsvorsteher ist. "Man kann nicht nur schreien, man muss dann etwas tun. Und das habe ich getan, und ich habe meine Mitstreiter hier im Ort", erzählt Bahr.

Bauunternehmer Uwe Bahr aus Bad Freienwalde (Bild: rbb/Dominik Lenz)
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Die Mitstreiter, das ist der Karnevalsclub - in Neuenhagen DIE politische Instanz. Das ist nicht ungewöhnlich. Oft ist es der Sportclub, die freiwillige Feuerwehr oder eben der Karnevalsverein, der die Geschicke auf dem Land prägt. Für die Wählergruppe NCC und mit dem Slogan "Mit Frohsinn - Politik für Bürger" sitzt Bahr als Karnevalspräsident in der Stadtverordnetenversammlung Bad Freienwalde und macht dort seriöse Politik - eben ohne Partei-Farbe: "Ich war früher nicht in einer Partei und mache das jetzt auch nicht. Und wir haben gesagt: Wir sind sowieso aktiv hier im Ort. Ohne uns läuft sowieso nichts. Dann können wir auch auf der Ebene mitmachen."

Engagement zahlt sich aus

Obwohl er neben seinem Job so gut wie jeden Abend auf Sitzungen, Versammlungen und Vereinstreffen verbringt: Berufspolitiker in Potsdam oder Berlin wollte er nie werden. Auch weil er überzeugt ist, auf kommunaler Ebene weit mehr tun zu können. "Für die Menschen kann ich mehr erreichen, als wenn ich im Land irgendwo sitze, das ist sicherlich wahr."

Am Ende seien es immer dieselben, die anpacken, für Bahr gibt es zu viele, die einfach nur meckern. Doch wer sich engagiert, kann etwas bewegen. Mit dieser Überzeugung kämpft Bahr für die Interessen von Bad Freienwalde, vor allem aber für seinen Heimatort Neuenhagen. Mit Erfolg: es gibt eine Kita und eine Grundschule, es ziehen wieder junge Familien her, Nachwuchsprobleme im Karnevalsclub gibt es nicht. Keine Selbstverständlichkeit im Oderbruch, dem die Menschen davon laufen.

Als Bauunternehmer ist Uwe Bahr zwar häufig in der Hauptstadt, politisch bleibt er aber klar in seiner Welt. Die Bundestagswahl ist für ihn weit weg und am liebsten hätte er, dass auch am 24. September die Dinge bleiben wie sie sind. "Ich persönlich würde mir wünschen, dass Frau Merkel es noch mal macht", meint Bahr. Denn eigentlich, findet er, laufen die Dinge doch ganz gut im Land.

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