ARCHIV: Grenzpolizist der DDR (Bild: rbb)
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- Das Jahr 1962

Die Mauer bleibt auch 1962 das wichtigste Thema in der Stadt. Daneben verschwinden allmählich Kriegsruinen und hier und da zieht neuer Komfort ein. In West-Berlin gibt es keine Sperrstunde, außerdem gilt hier keine Wehrpflicht. Auch sonst beginnt Berlin, attraktiv für junge Menschen zu werden, die wenige Jahre später das Bild der beiden Halbstädte sichtbar verändern. Doch ihre Stimmen sind noch leise.

Für all die neuen Berlin-Bewohner braucht es Platz. Im November eröffnen Architekt Walter Gropius und der Regierende Bürgermeister Willy Brandt die Gropiusstadt. Wenige Monate zuvor ist gleich nebenan im Osten der neue Zentralflughafen Schönefeld eröffnet worden – nach nur drei Jahren Bauzeit.

Viele internationale Gäste wollen die Situation in Berlin mit eigenen Augen sehen. Als Abgesandter von US-Präsident John F. Kennedy kommt dessen Bruder, Justizminister Robert Kennedy. Von den West-Berlinern wird er als Retter gefeiert, im Ost-Fernsehen als "lümmelnder Kommunistenjäger" und "politischer Halbstarker" bezeichnet.

Es passieren auch weniger weltbewegende Dinge in Berlin: Im Januar sorgt die Ausstrahlung des Durbridge-Krimis "Das Halstuch" für ausgestorbene Straßen. Der Kabarettist Wolfgang Neuss tippt auf den Mörder und verrät ihn kurz vor dem Finale per Zeitungsannonce. Das kommt nicht gut an.

Zwei Tote an der Berliner Mauer erlangen 1962 traurige Berühmtheit. Am 17. August verblutet der 18jährige Peter Fechter im Grenzstreifen zwischen Mitte und Kreuzberg, vor den Augen vieler Beobachter. Die in Ost-Berlin verbliebenen Angehörigen von Peter Fechter dürfen nur in aller Stille trauern. Dagegen wird Reinhold Huhn mit militärischen Ehren beigesetzt, seinen Namen tragen in der DDR bald Straßen und Schulen. Der 20-jährige Grenzposten stirbt im Juni nach einem Schusswechsel mit Rudolf Müller, der seine Familie durch einen Tunnel in den Westen holen möchte. Das Passierscheinabkommen von 1963 ist da noch Zukunftsmusik.

"Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt", eine Chronik in 30 Folgen - in Zusammenarbeit mit dem rbb Fernsehen.  

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Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt (Bild: rbb)
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Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt

Die Jahre zwischen 1961 und 1990 waren echte Schicksalsjahre für Berlin. Dieser besonderen Zeit widmet sich das Projekt "Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt" im rbb Fernsehen und im Inforadio mit einer 30-teiligen Dokumentationsreihe.