Facebook Chronik (Bild: dpa)
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Mittwoch, 27.04.2016 | Das vernetzte Ich - Informationsvielfalt vs. Filterblase

Bekomme ich durch Facebook und Co. überhaupt noch Informationen über alle Themen oder lebe ich in meiner Filterblase? Das versuchen wir herauszufinden: Wir sprechen mit einem Social Media – Experten, machen den Selbstversuch und lassen uns erklären, wie Algorithmen eigentlich funktionieren.

Wer sich am Morgen durch seine Facebook-Timeline scrollt, bekommt das Gefühl, rundum informiert zu sein darüber, was in der Welt passiert. Doch dieser Eindruck kann durchaus trügen: Facebook gewichtet Inhalte und stellt die Timelines der User nach einem komplexen Alghorithmus zusammen. Das genaue "Rezept" für diese Mischung hält der Konzern geheim. Teile davon lassen sich aber durch Nutzungsuntersuchungen rekonstruieren.

Für den einzelnen User bedeutet das, Themen die geklickt, geliked, gelesen, kommentiert, geteilt werden, erscheinen bevorzugt in der Timeline. Inhalte von Freunden und gefolgten Seiten ebenso. Die daraus entstehende "Filterbubble" verzerrt dementsprechend die Wahrnehmung, da man im Wesentlichen Inhalte angezeigt bekommt, die mit der eigenen Meinung bzw. dem Rezeptionsverhalten übereinstimmen. Wir machen den Selbstversuch: Anna Corves und Martin Adam aus der Inforadio-Redaktion haben ihre morgendlichen Informations-Ströme verglichen und festgestellt, dass beide doch recht unterschiedlich informiert sind.

"Die Bubble ist nicht so groß, wie viele vermuten"

Bestimmt also wirklich Facebook, was wir lesen und wonach wir aktiv suchen müssen? Und hätte Facebook die Macht, Informationsströme bewusst so zu lenken, dass unliebsame Politiker dadurch Nachteile hätten? Der freie Journalist und Social Media – Experte Martin Hoffmann glaubt, dass die Steuerung durch Facebook gar nicht so schwerwiegend ist, wie viele befürchten. Eine politische Einmischung durch den Internet-Konzern kann er sich jedenfalls nicht vorstellen, selbst wenn es technisch ohne weiteres möglich wäre: Da sei die Seite doch zu einer gewissen Neutralität verpflichtet.

Was genau ist ein Algorithmus?

Doch was genau ist eigentlich ein Algorithmus? Meist fällt der mathematische Begriff im Zusammenhang mit. Dabei handelt es sich weniger um eine komplizierte Formel für mathematisch-physikalische Vorgänge im PC, sondern vielmehr um den einfachsten Vorgang zum Erreichen eines Ziels,  welches auch immer. In einzelnen Schritten wird festgelegt, wie das Ziel zu erreichen ist. Ein Algorithmus ist daher auch schon die banale Addition von zwei Zahlen, etwa von Grundschülern. Doch Algorithmen, wenn auch schon immer vorhanden, bestimmen mehr und mehr in allen möglichen und zukünftigen Varianten unser Leben, wie Peter Kaiser in den "WissensWerten" berichtet.

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