Straßenumzug beim Karneval in Las Palmas
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100 Sekunden Leben - Andere Länder, andere Sitten

Unser Kolumnist Hendrik Schröder war auf Reisen und hat erlebt, wie anderswo ganz ohne Hilfsmittel ausgelassen gefeiert wurde.

Neulich war ich mal wieder auf den Kanaren. Zwei Wochen Las Palmas, die super lebhafte und sprudelnde Hauptstadt von Gran Canaria mit fast 400 000 Einwohnern. Wenn nicht gerade bis zu drei Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen und über 10 000 Besucher gleichzeitig in das Hafenviertel strömen (was für eine unfassbar schwachsinnige Spielform von Tourismus, bei der es fast nur Verlierer gibt, aber das ist eine andere Geschichte), ist man in Las Palmas hauptsächlich unter Einheimischen.

Während meines Aufenthalts erlebte ich zwei große Events: Das Ende vom Karneval, bei dem am Schluss eines großen, lauten, tanzenden, lachenden, quietschbunten Umzugs zehntausende Menschen am Strand stehen und raunend, jubelnd und schwofend zusehen, wie eine Pappsardine auf dem Meer verbrannt wird. Und ein extrem emotionales Fußballspiel der ersten spanischen Liga, ja, UD Las Palmas spielt wieder erstklassig - mit über 30 000 frenetischen Fans in einem fast ausverkauften Stadion.

Und jetzt halten Sie sich fest: Ein Karnevalsumzug und ein Erstliga-Fußballspiel - und bei beiden Veranstaltungen wurde nicht gesoffen. Klar hatte hier und da mal einer eine Dose Bier in der Hand, teilten sich Freunde am Karnevalsstrand eine Flasche Wein, trafen sich einige Fans vor dem Spiel in einer Kneipe, natürlich trank also auch mal jemand Alkohol. Aber wenn, dann maßvoll und die meisten eben gar nicht. Und waren trotzdem teilweise völlig außer sich, mindestens gut emotionalisiert, also echt dabei und mittendrin und aber - ohne Alkohol.

Und das nicht mal, weil es verboten wäre oder verpönt, nein, niemand guckt in Spanien schräg, wenn man auf der Straße was trinkt, das ist kein Ding. Aber sich zuzulöten und Events wie Fasching oder Fußball als Erlaubnis zu nutzen, schon tagsüber und in größeren Mengen zu trinken, also zu saufen - das hat einfach keine Tradition. Und es fehlt nichts. Glaubt Dir ja in Deutschland kein Mensch. Ist aber so.

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Doris Anselm, Thomas Hollmann, Wlada Kolosowa, Sebastian Schiller, Hendrik Schröder und Ebru Taşdemir betrachten mit einem schrägen Seitenblick Phänomene aus ihrem analogen und virtuellen Leben.