Interview - Nakba-Tag: Autorin Osman fordert gegenseitigen Respekt
Jedes Jahr am 15. Mai gedenken die Palästinenser der Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels im Jahr 1948. Sie nennen diesen Tag Nakba - "Katastrophe". Beide Seiten seien traumatisiert, sagt die Autorin Joana Osman, die palästinensische Wurzeln hat. Sie versucht, Brücken zu bauen.
Die deutsch-palästinensische Schriftstellerin Joana Osman, die die Friedensinitiative "Peace Factory" mitgründete, sagt, sie habe sowohl in den Palästinensergebieten als auch in Israel Freunde und Bekannte, das sei für sie kein Widerspruch.
Seit dem 7. Oktober - als die Hamas in Israel ein Massaker anrichtete - sei der Austausch noch intensiver geworden. Man teile den Schmerz, denn es sei wichtig, Mitgefühl mit dem jeweils anderen zu haben - trotz der eigenen Traumatisierung. Das mache Menschlichkeit aus.
Es gebe auf beiden Seiten Menschen, die Frieden wollten. Diese sollten sich verbünden, um eine Perspektive für die Region zu schaffen.
Keine schnelle Lösung des Konflikts in Sicht
Osman erwartet nicht, dass sich die Lage in Nahost in absehbarer Zeit verbessert: "Wir leben von Tag zu Tag und hoffen irgendwie darauf, dass dieser Krieg endlich endet, dieser aktuelle Gaza-Krieg." Den Nahost-Konflikt aber gebe es schon seit mehr als 76 Jahren, da sei keine schnelle Lösung in Sicht.
Sie hoffe aber trotzdem, dass die Spaltung überwunden und eine Perspektive für beide geschaffen werden kann. Dazu seien gegenseitiger Respekt und Unterstützung nötig.