Schüler kommen am Morgen in der Grundschule Feldstraße zum Unterricht.
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Interview - Brandenburger GEW-Chef: "Längere Arbeitszeiten für Lehrkräfte ein No-Go"

Zum Schulstart in Berlin und Brandenburg herrscht in beiden Ländern Lehrkräftemangel. Günther Fuchs, Vorsitzender der Brandenburger GEW, empfiehlt, den Fokus auf das Wesentliche und lehnt längere Arbeitszeiten ab.

Rund 700 000 Schülerinnen und Schüler drücken in Berlin und Brandenburg ab Montag wieder die Schulbank. Obwohl in beiden Bundesländern wesentlich mehr Lehrkräfte eingestellt wurden, herrscht weiterhin Lehrkräftemangel. In Brandenburg hat das Problem inzwischen eine neue Phase erreicht, warnt Günther Fuchs, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Fokus auf Lesen, Schreiben und Rechnen

 

"So viele offene Stellen wie in diesem Jahr, haben wir noch nie gehabt und wir kriegen diese Stellen nicht mal mehr mit Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern besetzt." Zurzeit gebe es in Brandenburg etwa 600 offene Stellen, erklärt Fuchs. Wenn man genauer hinschaue, bräuchte es aber noch mehr Stellen, um auch die Bedingungen an den Schulen zu verbessern.

Der Gewerkschaftsvorsitzende empfiehlt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: "Es ist nicht mehr alles möglich, das muss man realistisch so einschätzen." In der Grundschule müsse man deswegen die basalen Fähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen in den Mittelpunkt des Lehrplans stellen. "Das muss abgesichert sein."

Keine Arbeitszeitverlängerung für Lehrkräfte

 

Andererseits müsse auch weiter in die Ausbildung der Lehrkräfte investiert werden, fordert Fuchs. "Aber das ist ein Prozess, der uns in acht bis zehn Jahren Entlastung bringen könnte." Deswegen komme man auch weiterhin nicht ohne Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger aus, die dann natürlich auch nachqualifiziert werden müssten, so der Brandenburger GEW-Vorsitzende.

Längere Arbeitszeiten und ein späterer Renteneintritt für bereits angestellte Lehrkräfte seien dagegen keine Lösungen gegen den Mangel, findet Fuchs. Dadurch würde nur die Qualität des Unterrichts weiter sinken und der Krankenstand weiter zunehmen. "Das ist eine No-go-Area. […] Die Lehrkräfte in Ostdeutschland haben sehr lange Dienstzeiten, die haben 41 bis 45 Dienstjahre." Das sei in Deutschland einmalig und da noch etwas draufzusetzen, werde nicht funktionieren.

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