Menschen mit Gepäck passieren eine EU-Außengrenze.
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Interview - Migrationsexperte Knaus kritisiert Asylregelungen

Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich auf eine Reform des Asylrechts geeinigt. Geplant sind unter anderem Ankunftszentren an EU-Außengrenzen. Der Migrationsforscher Gerald Knaus sieht die Einigung skeptisch: Zentrale Probleme bei der Rückführung der abgelehnten Asylbewerber würden nicht gelöst.

Die Innenministerinnen und -minister der EU haben am Donnerstag eine Reform des Asylrechts beschlossen. Damit gelten künftig deutlich strengere Regeln. So werden Asylbewerber aus sogenannten sicheren Herkunftsländern bereits an den EU-Außengrenzen festgehalten und bei negativem Bescheid zurückgeschickt.

Knaus: Schnellere Verfahren führen nicht zu weniger Menschen

 

Der Migrationsexperte Gerald Knaus von der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative sieht die Änderungen kritisch. Das Problem sei, dass es derzeit keine Einigungen mit den Herkunftsländern oder sicheren Transitstaaten gebe, dass abgelehnte Asylsuchende wieder zurückgenommen werden. Dadurch blieben viele Menschen auch dann in der EU, wenn ihr Asylgesuch abgelehnt wurde. "Wenn es keine Rückführungsmöglichkeiten gibt, dann helfen auch schnelle Asylverfahren nicht", sagt Knaus.

Auch von den Lagern an den Außengrenzen hält der Migrationsforscher nichts. "Wie wir gesehen haben in Griechenland vor einigen Jahren, als Menschen monatelang auf Lesbos in ganz schrecklichen Lagern wie Moria festgehalten worden sind - das hat damals auch nicht dazu geführt, dass 2019 nicht 60 000 Menschen mit Booten aus der Türkei gekommen sind."

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