Ein großes Z ist an einer Hausfassade an einer Straße in Moskau angebracht.
Bild: AP

Krieg in der Ukraine - Angelina Davydova: Russland den Rücken gekehrt

Nach Russlands Angriff auf die Ukraine ist das Leben auch für manche Menschen in Russland unerträglich geworden. Die Journalistin Angelina Davydova aus St. Petersburg hat ihrem Land deswegen den Rücken gekehrt und sagt: "Das passiert alles nicht in meinem Namen."

Nicht nur Menschen aus der Ukraine zwingt die Invasion Russlands zur Flucht – sondern auch Menschen aus Russland können oder wollen nicht mehr in ihrem Land leben, in dem ein Klima der Verbote, der Gängelung und der Angst herrscht. Eine von ihnen ist die Journalistin Angelina Davydova aus St. Petersburg.

Sie lebt mittlerweile bei Bekannten in Berlin. Sie hat ihre Heimat verlassen, weil sie dort kaum noch richtig arbeiten konnte – und weil die Lage emotional für sie nicht mehr auszuhalten war: "Diese riesigen Plakate mit dem 'Z' an öffentlichen Gebäuden. Das war sehr schwer zu sehen und sehr schwer zu akzeptieren. Ich habe gedacht: Das alles passiert nicht in meinem Namen und ich kann das überhaupt nicht akzeptieren."

Die Hoffnung, eines Tages nach Hause zu können

Ihrer Meinung nach sei es zwar schwierig, aber noch immer möglich, sich in Russland darüber zu informieren, was tatsächlich in der Ukraine passiert, beispielsweise über Telegram-Gruppen. "Die Frage ist, ob die Menschen das lesen wollen, oder ob sie nur lesen wollen, was sie schon glauben. Das ist das größte Problem", sagt Davydova.

Für ihre persönliche und die Zukunft ihres Landes sieht die Journalistin momentan wenig Hoffnung. Noch hat sie die Hoffnung, dass sie eines Tages zurück nach Russland kann, um dabei zu helfen, ihr Land zu reformieren. Doch wenn das nicht passiere, müsse sie leider im Ausland bleiben.

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