Long-Covid-Kranke nehmen mit anderen Patientinnen an Yoga-Übungen mit Physiotherapeutin teil (Bild: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)
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- Was ist Post-Covid, Frau Scheibenbogen?

Rund ein Zehntel der Corona-Erkrankten leidet am Post-Covid-Syndrom. Besonders Frauen sind betroffen. Carmen Scheibenbogen leitet das Institut für Medizinische Immunologie und die Immundefekt-Ambulanz an der Charité Berlin und forscht zu Post-Covid. Was bisher über die Krankheit bekannt ist, berichtet sie im Gespräch mit Christian Wildt.

Post-Covid oder Long-Covid sei ein Überbegriff für Menschen, die auch vier Wochen nach einer Infektion anhaltend an Symptomen leiden, erklärt Scheibenbogen. Das Syndrom schließe viele unterschiedliche Erkrankugen mit ein. "Die schwerste Form davon ist das Chronische Fatigue-Syndrom oder ME/CFS", sagt die Immunologin.

Post-Covid betrifft häufiger Frauen

 

Zu den Symptomen zählen etwa Geruchs- und Geschmacksstörungen, Erschöpfung, teils schwere Konzentrationsstörungen und Atembeschwerden, berichtet Scheibenbogen. "Wir gehen davon aus, dass eine Autoimmunerkrankung ist", so die Medizinerin. Das Immunsystem reagiere infolge der Infektion stark und komme dann nicht mehr richtig zur Ruhe. Frauen seien wie bei fast allen Autoimmunerkrankungen häufiger betroffen. "Das hat sehr wahrscheinlich damit zu tun, dass Frauen ein aktiveres Immunsystem haben", sagt Scheibenbogen.

Prof. Dr. med. Carmen Scheibenbogen (Bild: Charité Universitätsmedizin Berlin/Simone Baar)
Bild: Charité Universitätsmedizin Berlin/Simone Baar

Man könne Long-Covid behandeln, teils mit Medikamenten, die bereits gegen andere Autoimmunerkrankungen erprobt seien. "Da wissen wir, dass solche Autoantikörper oft eine wichtige Rolle spielen und da gibt es viele Medikamente, die sich gezielt dagegen richten", sagt Scheibenbogen.

Chronisches Fatigue-Syndrom meistens nicht heilbar

 

Zudem gebe es Techniken, um zu verhindern, dass ein Teufelskreis aus Anstrengung und daraus resultierender Erschöpfung entstehe. Dazu zählten etwa Atemübungen. "Damit kann man ein bisschen die Symptome mildern", sagt die Immunologin. Auch die häufig auftauchenden Schmerzen könne man behandeln. "Aber man muss eben auch dazu sagen, das Chronische Fatigue-Syndrom ist eine Erkrankung, die bei den allermeisten bis heute nicht heilbar ist und einen chronischen Verlauf nimmt", sagt Scheibenbogen.

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