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- Kritik an Auswärtigem Amt: "Es gibt bisher nicht die geringste Hilfestellung"

Für Partner von Menschenrechtsorganisationen in Afghanistan ist es teilweise schwierig, bis zum Flughafen in Kabul zu kommen. Thomas Rudhof-Seibert von der Organisation medico international berichtet von der Zuständen vor Ort und kritisiert die Bundesregierung sowie das Auswärtige Amt.

Thomas Rudhof-Seibert ist bei der deutschen Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international Referent für Afghanistan. Medico unterstützt in Afghanistan eine Organisation, die sich unter anderem um die Opfer von Gewalt und die Aussöhnung zwischen den Volksgruppen bemüht hat.

Forderung nach Greencard-System am Beispiel der USA

 

Über die Helfer vor Ort sagt er: "Sie sind alle verzweifelt und am Limit dessen, was sie können." Es sei lediglich gelungen, zwei von ihnen samt Familie außer Landes zu bringen. Alle andern machten jeden Morgen dasselbe durch: "Sie schlagen sich durch, sie versuchen, an den Checkpoints vorbeizukommen, stehen wie allen anderen da vor dem Flughafen und werden nicht reingelassen", so Rudhof-Seibert.

Bisher kommen demnach nur Personen mit einer Greencard raus. Der Referent berichtet, dass die Amerikaner provisorische Visa ausstellen, die den Menschen einen Zugang in den Flughafen ermöglichen. Die Organisatoren fordern vom Auswärtigen Amt, dass ähnliche Dokumente auch von deutscher Seite ausgestellt werden. "Es ist nicht dazu gekommen."

"Es ist wirklich ein Desaster"

 

"Die haben wirklich erst mit dem Tag des Zusammenbruchs des alten Staates Afghanistan überhaupt angefangen zu arbeiten", sagt der Referent über das Auswärtige Amt. Bisher habe die Organisation für ihre Partner keine Hilfestellung erhalten. Der Kontakt laufe lediglich indirekt über befreundete Abgeordnete: "Wir haben bis zum heutigen Tag noch nicht einen direkten Kontakt mit irgendeinem Menschen aus dem Auswärtigen Amt gehabt".

Neben dem Auswärtigen Amt kritisiert der Refernt von medico international die Bundesregierung. Zwar habe die Schnelligkeit der Machtübernahme viele überrascht, "aber dass dieses Land an die Taliban ausgeliefert werden würde, das war seit dem letzten Jahr - seit Trump das angekündigt hat - klar." Von diesem Moment an, hätten demnach Evakuierungspläne für Helfer und Partner in Afghanistan ausgearbeitet werden müssen. Zusätzlich gebe es seit Moment des Zusammenbruchs noch immer keine verbindlichen Strukturen, bemängelt Thomas Rudhof-Seibert.

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