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- Sicherheitsexperte: Afghanische Armee leidet an schlechter Kampfmoral

Die Taliban rücken in Afghanistan immer weiter vor und die afghanischen Streitkräfte scheinen kampflos abzuziehen. Die Ausbildung sei hier nicht das Problem, so Sicherheitsexperte und Journalist Thomas Wiegold. Eher hemmen Strukturprobleme die Einsatzbereitschaft von Armee und Polizei.

Das Bild sei uneinheitlich, so Wiegold – so werden aus dem afghanischen Süden Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und den Taliban gemeldet. Im Norden ergeben sich Einheiten teilweise kampflos, überlassen den Taliban sogar Fahrzeuge oder Waffen.

Wiegold: Afghanischer Armee fehlt es an Kampfmoral, nicht Ausbildung


Die afghanische Armee hat viele Probleme. Eines ist, dass der Sold nicht bei den Einsatzkräften ankommt, höhere Offiziere nehmen sich davon einen Teil. Auch die Luftwaffe sei zu klein und in einem schlechten Zustand. Manche Soldaten kommen vom Heimaturlaub nicht wieder. Akut sei die Versorgung das Hauptproblem – es gebe keine Verstärkung, keine Munition und teilweise nichts zu Essen auf entlegenen Posten. All das führe dazu, eher aufzugeben, so Wiegold. Es deute vieles darauf hin, dass die Kampfmoral und nicht die Ausbildung der Armee der Knackpunkt sei. "All diese Dinge, die mit der Struktur dieser Armee zu tun haben, die sind offensichtlich immer noch nicht gelöst worden", sagte der Sicherheitsexperte.

Kabul bleibt – für den Rest werde es "düster"


Die Hauptstadt Kabul nehme eine Sonderrolle ein, so Wiegold. Einige westliche Staaten wollten die Stadt als "Insel" abschirmen– die Türkei will den Flughafen, die USA ihre Botschaft schützen. Die Taliban hätten es dann schwer. "Für alles andere sieht's recht düster aus", so der Journalist.

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