Ärzte und Pfleger verlegen einen Patienten in eine neu geschaffene Intensivstaion
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- Dritte Welle: "Menschen müssen Untätigkeit ausbaden"

Die Infektionszahlen steigen sprunghaft, die Rufe aus allen Richtungen der Wissenschaft nach einem Lockdown werden lauter. Der Virologe Martin Stürmer beklagt, dass wichtige Zeit vergeudet und wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr beachtet würden.

"Es ist einfach schade anzusehen, wieviel Zeit letztendlich durch demokratische Prozesse vergeudet wird", sagt der Virologe. Diese Zeit werde eigentlich dringend gebraucht, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. "Die ganze Untätigkeit, die wir jetzt sehen, die müssen andere Menschen ausbaden", sagt Stürmer.

 

Wahlkampf behindert Pandemiebekämpfung

Er habe den Eindruck, dass die Wissenschaft ab Anfang März ins Hintertreffen geraten sei, als die Politik trotz steigender Zahlen Lockerungen beschloss. "Das kann ich mir nicht anders erklären, als dass es irgendwas mit Wahlkampf zu tun haben muss", sagt der Virologe.

In der geplanten bundesweiten Notbremse gebe es viele vernünftige Maßnahmen. "Aber wir müssen sie jetzt anwenden und wir müssen sie deutlich härter anwenden als das, was wir bis dato gekannt haben, um die Welle jetzt aktuell brechen zu können", betont Stürmer. Es gehe insbesondere um Kontakvermeidung im privaten Bereich. In anderen Ländern wie Großbritannien und Portugal habe man das Infektionsgeschehen durch Ausgangs- und Kontaktsperren sehr gut in den Griff bekommen

 

Stürmer plädiert für strenge Ausganssperren

Die Ausgangssperre werde oft falsch verstanden, so Stürmer. Es gehe nicht darum, die Menschen aus dem Freien zu verbannen. Es gebe viele Infektionen im privaten Bereich. Mit einer Ausganssperre lasse sich verhindern, dass sich Menschen überhaupt mit vielen anderen treffen könnten.

Er befürchte, dass die Politik nicht schnell genug handle und die Infektionszahlen in vier Wochen weiter hoch blieben. Auf den Intensivstationen sei daher auch keine Entlastung zu erwarten, so Stürmer.

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