Erzähle deine Geschichte - Erzählmobil (Quelle: rbb/Thomas Ernst)
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Bild: rbb/Thomas Ernst

- 30 Jahre Einheit: Erzählmobil-Geschichten zum 3. Oktober

Die deutsche Wiedervereinigung jährt sich zum 30. Mal. Das rbb-Erzählmobil fuhr jetzt ein Jahr lang durch Berlin und Brandenburg und bat jeden und jede die wollte: "Erzähle Deine Geschichte". Reporter Matthias Schirmer hat sich dieses Projekt und den ARD-Film "Wir Ostdeutsche" genauer angesehen.

Nach 30 Jahren Wiedervereinigung sehen nicht alle ein vereintes Deutschland. Und das haben sie dem rbb-Erzählmobil im vergangenen Jahr berichtet. Eine 62-jährige Ostdeutsche sagt, das einzige was sie mit Westdeutschen gemeinsam hätte, wäre die Sprache: "Wir sind immer noch irgendwie andere Seite", sagt sie. Das sehe man vor allem im wirtschaftlichen Bereich.

 

"Wie haben Sie's erlebt?"

 

Sandra Niemann ist eine der rbb-Projektleiterinnen des Erzählmobils. Die Idee dahinter: "Wir machen tolle Dokumentationen, wir reden mit ExpertInnen, diskutieren mit PolitikerInnen und wir wollen von den Menschen in der Region auch selbst wissen: Wie haben Sie’s erlebt? Wie sind Ihre Einstellungen, Meinungen heute zum Thema 30 Jahre deutsche Einheit?", erklärt Niemann.

Die einen berichten dabei von Langzeitarbeitslosigkeit seit 1990. Das können nicht alle bestätigen: "Ich finde es so schön, so wie es ist, und so soll es bleiben. Das habe ich mir immer gewünscht", erzählt beispielsweise ein Mann aus Berlin-Lichtenberg.

 

Thema Ost-/West-Rente wird ein Problem in Zukunft

 

Auch der ARD-Film "Wir Ostdeutsche" beschäftigt sich mit dem Thema. Er bringt die subjektiven Eindrücke aus dem rbb-Erzählmobil in eine objektive Perspektive. Olaf Jacobs ist Professor für an der Universität Leipzig und Produzent und Datenrechercheur des Films. Er meint, das Thema Ost-/West-Rente werde vor allem in Zukunft noch eine Rolle spielen. "Die Differenz wird dort in der Zukunft erst richtig losgehen", sagt er. Denn diejenigen, die in den nächsten zehn bis 20 Jahren RenterInnen werden, hätten in ihrer Erwerbsbiografie einen relativ großen Anteil mit deutlich geringeren Einkommen.

Auffällig sei, dass die Ostdeutschen oft ein geringeres Vertrauen in staatlichen Institutionen hätten, sagt Jacobs. Das gelte auch für das Vertrauen in politische Einrichtungen wie den Bundestag. Die Identifikation finden bei den Ostdeutschen dafür oft auf regionaler Ebene statt.

 

Unternehmensgründung ist viel schwieriger

 

Auch wirtschaftlich gebe es noch große Unterschiede. Der Gestaltungsspielraum der ostdeutschen Kommunen sei viel geringer, als der in Westdeutschland, "eben weil die großen Gewerbesteuerzahler nicht da sind", erklärt Jacobs. In DDR wurde das Privatvermögen so gut wie abgeschafft. Daher werde in den Neuen Bundesländern auch so gut wie kein Vermögen vererbt: "Das wiederum macht aber auch das Gründen von Unternehmen viel komplizierter", sagt Jacobs.

Auch auf Inforadio.de

Ein Herz mit der Aufschrift 30 Jahre steht umgeben von schwarzen, roten und goldenen Stoffbahnen in der Ausstellung Der Weg zur Deutschen Einheit im Stadtkanal in der Yorckstraße im Rahmen der EinheitsExpo anlässlich der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Potsdam, 20. September 2020.
imago images / Martin Müller

30 Jahre Deutsche Einheit

Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wiedervereint. Wo stehen wir heute? Was ist in den vergangenen 30 Jahren gut gelaufen und was nicht? Inforadio bringt Ost und West miteinander ins Vis-à-Vis-Gespräch über die Folgen der Einheit. Außerdem gibt es Interviews, Beiträge, Faktenchecks und Stimmen aus der Bevölkerung.