Die Berliner Dachluke bietet Beatmusik (Bild: rbb)
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- Das Jahr 1964

Über die Feiertage durften West-Berliner ihre Verwandten im Ostteil besuchen. Das Passierscheinabkommen machte es möglich. Und jetzt? Zurück zur Sprachlosigkeit im Kalten Krieg? Auf den ersten Blick gleichen die Schlagzeilen denen des Vorjahres. Aber etwas ist neu: Beiderseits der Mauer müssen sich die Älteren damit abfinden, dass immer mehr junge Leute härtere Rhythmen und längere Haare bevorzugen.

An Musik fehlt es den jungen Leuten in West-Berlin wahrlich nicht. Rund 200 Beat-Bands werden gezählt. Lukrativ ist das nicht. Die Musiker verdienen oft zwischen 25 und 50 Mark pro Auftritt. In der Ost-Berliner Kulturlandschaft rumort es dagegen. Der neue Film des Regisseurs Konrad Wolf wagt sich an ein brisantes Thema – eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung. Wolf muss sich verteidigen.

Berlin verändert sein Gesicht, in Ost und West. Am Breitscheidplatz in der City West wächst das Europacenter heran. Auch der Verkehr nimmt rasant zu. Östlich vom Alexanderplatz entstehen an der Karl-Marx-Allee neue Bauten, die man später als Beispiele der Ost-Moderne feiern wird. Und die Jugend trifft sich in der Mokka-Milch-Eisbar.

Im September ist der US-amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenprediger Martin Luther King zu Gast. In West und Ost. Nach einem Auftritt in der Waldbühne setzt er sich über die Warnungen seiner Entourage hinweg und predigt auch in der Marienkirche auf dem Alexanderplatz – über sein Lieblingsthema "Freiheit". Gegen solche spontanen Aktionen ist die Staatsmacht hilflos. Besser kann sie Großereignisse organisieren, wie das "3. Deutschlandtreffen der Jugend für Frieden und Völkerfreundschaft". Zu diesem Anlass geht die Festivalwelle DT 64 auf Sendung – der erste deutsche Jugendsender.

1964 zeigt sich auch: die Kanäle für Verhandlungen werden weiter genutzt: im Herbst tritt ein neues Passierscheinabkommen in Kraft. Und erstmals dürfen DDR-Rentner ihre Verwandten im Westen besuchen.

"Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt", eine Chronik in 30 Folgen – in Zusammenarbeit mit dem rbb Fernsehen.

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Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt (Bild: rbb)
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Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt

Die Jahre zwischen 1961 und 1990 waren echte Schicksalsjahre für Berlin. Dieser besonderen Zeit widmet sich das Projekt "Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt" im rbb Fernsehen und im Inforadio mit einer 30-teiligen Dokumentationsreihe.