Ampulex
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Bild: rbb/Prinzler

- Eine Grabwespe sucht einen Namen

Die Inforadio-Aktion "Kleine Tiere ganz groß" geht in den Endspurt: Wir stellen am Donnerstag das letzte namenlose Tierchen vor, für das Sie einen Namen aussuchen können, um damit in die Geschichte der Insektenforschung einzugehen - falls Ihr Vorschlag ausgewählt wird. Dieses noch nicht benannte Tier ist ein Insekt und gehört zur Gattung der Ampulex, der Grabwespen. Gemeinsam mit dem Wespen-Experten des Naturkundemuseums stellt Thomas Prinzler diese Schabenwespe vor.

Michael Ohl arbeitet am Berliner Museum für Naturkunde als Entomologe - also Insektenforscher -  und kümmere kümmert sich dabei um alles, was hinten sticht, wie er sagt: das sind Wespen, Bienen und Ameisen. Dabei haben es ihm die Grabwespen ganz besonders angetan – und vor allem eine Art obwohl es weltweit über zehntausend Arten gibt: "Schabenwespen gehören zu den Grabwespen, die eigentlich im Boden ihre Nester graben, jedes Weibchen für sich, und dort ihre gelähmte Beute – in der Regel andere Insekten – hineintragen. Ihre Larven ernähren sich dann von diesen gelähmten Insekten. Und bei den Schabenwespen ist es so, dass die ausschließlich Schaben für ihre Larven eintragen."

Dr. Michael Ohl ist Leiter der Sektion Entomologie im Museum für Naturkunde
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Die Schabenwespe, um die es geht, stammt aus Singapur und sie wartet -  aufgespießt in ihrer Schachtel im Museum - seit langem darauf, einen Namen zu bekommen und wissenschaftlich beschrieben zu werden. Und sie ist einmalig, ist sich Dr. Ohl sicher: "Das liegt einmal daran, dass es dieses Tier wahrscheinlich bzw. diese Art in keinem anderen Museum der Welt gibt. Das liegt aber auch daran, dass es außer mir niemanden gibt, der an diesen Schabenwespen arbeitet."

Auch Dr. Ohl ist von einer ganz seltenen Spezies. Er hatte schon von Kindheit an Freude an den kleinen Tierchen: "Ich hab mich immer schon eher für die kleinen Krabbeltiere interessiert und nicht so sehr für die großen Vögel oder Säugetiere - und bin dann bei den Insekten geblieben. Dass es nun ausgerechnet Wespen geworden sind, ist eher Zufall. Mich fasziniert vor allem bei den Wespen ihre Fähigkeit zu stehchen. Deswegen habe ich schon als Student begonnen, mich mit Wespen zu beschäftigen."

Hier können Sie ihren Vorschlag abgeben

Schabenwespe der Gattung Ampulex
Naturkundemuseum Berlin

Kleine Tiere - ganz groß - Ampulex fregata

Rot geschmückt wie ein Fregattvogel sieht die Schabenwespe aus, fand ein Hörer, und die Jury sah das genauso. Der männliche Fregattvogel hat übrigens einen roten Kehlsack sowie eine rote Brust, vor allem in der Paarungszeit.

Und wie ist das nun mit unserer namenlosen Schabenwespe? Gibt es sie eigentlich noch? Oder ist sie inzwischen ausgestorben? - Dr. Ohl: "Das wissen wir nie so ganz genau. Diese kleinen Wespen leben recht versteckt, sie bilden keine Staaten, kommen also nie in großer Anzahl vor. Ich gehe davon aus, dass es sie noch gibt. Aber sie sind sicher nicht leicht zu finden. Es andererseits auch schwierig nachzuweisen, dass es sie nicht mehr gibt."

Und wie wäre es, wenn Dr. Ohl nach Singapur führe um nachzuschauen, ob es die Schabenwespe noch gibt? Das wäre auch eine Abwechslung vom Museumsalltag. Dr. Ohl: "Das würde mich schon reizen, aber die Tiere sind wirklich sehr schwer zu fangen. Gerade diese Schabenwespen sind keine guten Flieger -  sie machen eher kleine unbeholfene Hüpfsprünge, beispielsweise auf der Oberfläche von Bäumen. Das ist auch einer der Gründe, warum sie in den Sammlungen der Welt so selten sind. Der typische Entomologe sucht frei fliegende Insekten, die auf Blüten sitzen. Und das machen diese Schabenwespen nicht."

Wie also könnte sie also heißen, die namenlose hüpfende Wespe aus Singapur, die mit ihrem Biss Schaben lähmt und damit ihren Nachwuchs füttert? Ampulex dementor ist aber schon vergeben. Den  Namen für die nach den Dementoren von Harry Potter benannten Schabenwespe hat Michael Ohl bereits gemeinsam mit Besuchern der Langen Nacht der Wissenschaften gefunden.

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