Uwe Bahr (Foto: Dominik Lenz | Inforadio)
Dominik Lenz | Inforadio
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#dasbrauchtdeutschland - Sechs Wählerinnen und Wähler - "Meine Entscheidung steht fest!"

Er war mal im Neuen Forum aktiv, dann Bürgermeister, jetzt Ortsvorsteher und Präsident des Karnevalsvereins in Bad Freienwalde: Für Uwe Bahr wird Politik vor allem lokal gemacht. Und am liebsten ist er selbst aktiv. Der Wahlkampf, so hat er es Inforadio-Reporter Dominik Lenz gesagt, ist für den Bauunternehmer längst gelaufen.

Uwe Bahr sitzt im weißem Hemd zum blauen Anzug am Ufer der Spree. Hinter ihm das gläserne Atrium des Energie-Forums am Berliner Ostbahnhof. Seine Heimat ist zwar das Oderbruch, doch als Bauunternehmer ist er viel unterwegs im Land. In Berlin baut er derzeit hunderte Wohnungen, also hat er hier auch ein festes Büro.

Der Stralauer Platz ist in CDU-Hand, zumindest was die Wahlwerbung angeht: Angela Merkel überall. Den Spruch 'Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge' findet der bekennende CDU-Wähler Bahr besonders gelungen: "Der Spruch gefällt mir, ja. Weil er richtig ist. Die kleinen Dinge kann man nicht vernachlässigen. Da fängt das Große richtig an. Seh ich auch so."

Die Sozialdemokraten sind nicht seins

Tatsächlich passt das Motto zu ihm. Der 62-Jährige ist überzeugt, dass man mit Politik im Kleinen sehr viel bewegen kann: mit der Wende trat er ins Neue Forum ein, war Ortsvorsteher, inzwischen sitzt er in der Stadtverordnetenversammlung Bad Freienwalde. Als Präsident des Karnevalsvereins Neuenhagen, nicht für eine Partei.

Politisch ordnet er sich aber klar konservativ ein, das hat er sich gerade noch einmal vom Wahlomaten bestätigen lassen - 70 Prozent Übereinstimmung mit der CDU: "Ich denke, dass die letzte Legislaturperiode gut gelaufen ist. Natürlich mit der SPD als Partner, aber ich denke, die CDU kann sich eventuell in einer anderen Konstellation noch stärker durchsetzen. Ich steh nicht auf die SPD." Seine Traumkonstellation ist eine CDU-FDP-Koaltion und die müsste seiner Ansicht nach als erstes für ein vernünftiges EInwanderungsgesetz sorgen.

In seinem Unternehmen im Oderbruch hat Uwe Bahr einen Flüchtling aus Somalia eingestellt, der beginnt gerade sein zweites Lehrjahr zum Hochbaufacharbeiter. Bahr möchte den jungen Mann gern behalten, hat ihm eine Wohnung gestellt, doch er streitet sich alle sechs Monate mit der Ausländerbehörde um die Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, erzählt er: "Und dann hoffen wir immer von Halbjahr zu Halbjahr, dass er nicht nach Hause geschickt wird."

Es sollten möglichst viele wählen

Für Bahr ein untragbarer Zustand. Zum einen, weil er dringend Lehrlinge braucht, zum anderen betreibe er doch genau das, was die große Politik, fordert, nämlich praktische Integration: "Das ist ein Problem, dem sich die neue Regierung wirklich stark widmen muss."

Für ihn ist Engagement eine Selbstverständlichkeit. Sorgen bereitet Uwe Bahr aber die Politikverdrossenheit im Oderbruch, wo die Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen traditionell niedrig ist. Vielleicht, hofft er, werden diesmal mehr Menschen zur Wahl gehen, weil gleichzeitig auch Bürgermeisterwahl in Bad Freienwalde ist. Dass der Wahlkampf insgesamt bislang wenig spektakulär ist, stört ihn überhaupt nicht. Seine Wahlentscheidnung steht ja ohnehin fest: "Da ändert sich nichts mehr dran. Ich geh am 24. September zur Wahl und hoffe, dass es möglichst viele tun. Und dann schaun wa ma."

 

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#dasbrauchtdeutschland
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#dasbrauchtdeutschland - sechs Wählerinnen und Wähler

Am 24. September wird gewählt. Wie wird die neue Regierung aussehen? Viele Bürger machen ihrem Unmut über Politik laut und öffentlich Luft. Inforadio begleitet Menschen in Berlin und Brandenburg in den Monaten vor der Abstimmung. Sechs Wählerinnen und Wähler: Die Entscheidung.