Delia Fröhlich, Jungunternehmerin in Oberschöneweide (Bild: rbb/Martin Adam)
rbb/Martin Adam
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#dasbrauchtdeutschland - Sechs Wählerinnen und Wähler - "Ich finde die alle nicht supertoll"

"Im Wahlkampf versuchen die Parteien jung daherzukommen - aber wenn nur die Alten den Jungen was erzählen, funktioniert das nicht", sagt die 28-jährige Delia Fröhlich. Die Jung-Unternehmerin aus Oberschöneweide fühlt sich von den Parolen der Parteien nicht angesprochen, hat sie Inforadio-Reporter Martin Adam erzählt. Wählen will sie trotzdem.  

 

Mit einem aufmunternden Lächeln schaut der Mann von oben herab auf die Wilhelminenhofstraße. Ein paar Laternen weiter: nochmal. Und dann: nochmal. Dazwischen hängen andere Plakate, die mehr Europa und weniger Bedenken versprechen. Oberschöneweide ist im Wahlkampf, Delia Fröhlich ist es nicht: "Nee. Das Einzige, was ich wirklich mitbekomme, ist natürlich die Präsenz durch die Plakate. Das ist das dümmeste Medium, was man nehmen kann. Klar, das ist das, was halt irgendwie jeden erreicht. Aber Plakate sind so nichtssagend."

Deutschland macht es Selbständigen schwer

Delia wirkt erschöpft. Im Juni hat sie ihren Coworking-Space im Hinterhof um ein kleines Café erweitert. Inzwischen sagt sie, Deutschland mache es jungen Selbstständigen echt schwer. Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Finanzamt - bis zum Hals steckt sie in Bürokratie und für das, was eigentlich Spaß macht, bleibt am Ende wenig Zeit.

"Regulierung ist ja insofern notwendig, damit es überhaupt möglich ist, solche Projekte zu machen", räumt sie ein. "Also das sehe ich schon auch. Dennoch kann man auch alles übertreiben und ich finde, an gewissen Punkten wird es einem als Unternehmer übertrieben schwer gemacht."

Bei der Wahl werde sie sich trotzdem nicht für eine wirtschaftsfreundliche Partei entscheiden, sagt Delia, mit 28 Jahren junge Unternehmerin und junge Mutter: "Wir brauchen nicht mehr Konkurrenz, sondern mehr Miteinander - mehr von dem, was den Menschen guttut." Ein Partei dafür habe sie nicht gefunden.

"Es gibt nichts, wo ich konkret sagen würde, diese Partei finde ich supertoll aus diesem Grunde. Gibt es einfach nicht. Ich finde die alle nicht super toll, die machen mich alle nicht glücklich und mir fehlt bei allen diese Perspektive, wie man in dieser Gesellschaft leben möchte. Mir fehlen die übergeordneten Ziele, die Philosophie. Klar, die haben eine. Die kann man sich auch durchlesen. Aber die sagt mir nichts, ehrlich gesagt."

Der Hinterhof-Garten, in dem sie gerade sitzt, wirkt wie von der Außenwelt abgekoppelt. Hier scheint die Sonne, die Kinder der Cafébesucher spielen im Sandkasten, am Nebentisch bestellt jemand eine Erdbeer-Melissen-Schorle. Aus diesem selbstgebastelten Paradies heraus eine Wahlentscheidung zu treffen, erscheint wie ein Ausflug in eine andere Welt. Trotzdem: 

Am Ende wird aus dem Bauch heraus entschieden

"Ich werde auf jeden Fall wählen gehen. Ich weiß aber noch nicht final, was genau. Es ist halt echt traurig, aber das kommt aus dem Ansatz, das geringste Übel zu wählen. Es geht halt gar nicht mehr darum, das perfekt Passende zu finden, sondern darum, nicht den Totalausfall zu wählen. Dass es nicht völlig braun wird." Natürlich soll eine Wahlentscheidung rational getroffen werden, sagt Delia, und sie will sich auch vor der Wahl noch mehr damit beschäftigen.

Aber sie meint auch: Am Ende entscheiden die meisten Menschen aus dem Bauch heraus. Und das werde bei ihr nicht anders sein. "Aber ich habe da jetzt keine Panik. Das Ergebnis wird wieder irgendwie bedenklich, aber nicht super dramatisch sein", glaubt sie. "Wie es halt meistens ist. Zumindest gehe ich davon aus." Bedenklich, aber nicht super dramatisch - dass sich daran mit der Wahl viel ändert, daran glaubt Delia nicht.

Übersicht

#dasbrauchtdeutschland
imago/rbb; Collage: rbb

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Am 24. September wird gewählt. Wie wird die neue Regierung aussehen? Viele Bürger machen ihrem Unmut über Politik laut und öffentlich Luft. Inforadio begleitet Menschen in Berlin und Brandenburg in den Monaten vor der Abstimmung. Sechs Wählerinnen und Wähler: Die Entscheidung.