Die Diskusionsrunde (Bild: Dieter Freiberg)

Flüchtlinge in Berlin - Wie gut läuft die Integration?

Warum bekommt es der Senat noch immer nicht hin, Flüchtlinge anständig unterzubringen? Das fragt sich die Flüchtlingshelferin Amei von Hülsen und meint: So lange Menschen in Turnhallen leben, können sie sich nicht integrieren. Über den "Behördenwahnsinn", den sie bei ihrer Arbeit sieht, hat sie mit dem CDU-Politiker Burkard Dregger diskutiert.

Rund 55.000 Asylsuchende sind im vergangenen Jahr nach der Flucht in Berlin geblieben, in diesem Jahr waren es bis jetzt etwa 10.000. Lange tat sich die Verwaltung der Hauptstadt sehr schwer mit der Aufgabe, diese Menschen alle unterzubringen und zu versorgen - und so richtig rund läuft es immer noch nicht – vor allem beim wichtigen Punkt Integration.

Das ist etwas, was Inforadio-Hörerin Amei von Hülsen maßlos ärgert. Sie ist eine der zahllosen ehrenamtlichen Helferinnen. Die 55jährige Unternehmensberaterin arbeitet bei "Willkommen im Westend" im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und muss feststellen: Viele Flüchtlinge sind regelrecht verzweifelt, weil sie auch nach einem Jahr noch immer in Notunterkünften leben müssen.

Der alltägliche Kampf gegen den Behördenwahnsinn

Deswegen haben wir Amei von Hülsen mit dem Integrationssprecher der Berliner CDU Burkard Dregger an einen Tisch gebracht. Ihm schildert sie die Problematik aus ihrer Sicht: " Unter diesen Lebensbedingungen ist Integration schlichtweg nicht möglich. Man kann nicht Deutsch lernen, wenn man in einer Turnhalle mit 200 Menschen zusammen lebt. Das ist ein Leben im Schwebezustand und da kann man von Integration nicht reden."

Zumindest in diesem Punkt stimmt ihr Burkard Dregger zu: "Unser prioritäres Ziel muss es sein, die Belegung von Turnhallen zu beenden, nicht nur im Interesse der Flüchtlinge, sondern auch der sonstigen Nutzer. Denn auch Sport ist ja ein Mittel der Integration und die Belegung war letztlich nur eine Maßnahme, um Obdachlosigkeit zu vermeiden." Doch warum funktioniert es immer noch nicht? Hier weist Dregger Schuld von sich: "Wir als Parlamentarier haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass genügend Unterkünfte geschaffen werden – und die Verwaltung ist jetzt aufgefordert, das umzusetzen."

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"Die Zusagen werden einfach nicht eingehalten"

Doch die Unterbringung ist nur eine Aufgabe, an der die Verwaltung scheitert, kritisiert Amei von Hülsen: "In vielen Bereichen werden den Menschen Zusagen gemacht – Dauer des Asylverfahrens ist ein Stichwort, wann kommen sie in welche Kurse, wie schnell geht das mit den Praktika und so weiter – die Zusagen werden einfach nicht eingehalten."

Das führe dazu, dass die freiwilligen Helfer bereits an das Niederlegen der Arbeit denken, berichtet Amei von Hülsen: "Am Wochenende gibt es eine große Demonstration in Berlin, wo Geflüchtete und freiwillige Helfer gemeinsam auf die Straße gehen, um zu sagen: Ihr haltet eure Versprechungen und gesetzlichen Verpflichtungen nicht ein. Und zum zweiten, im Moment geht die politische Diskussion nicht darum: Wir bauen wir Brücken? Sondern wo können wir neue Schikanen einziehen. Und das betrifft die Geflüchteten, aber uns als ehrenamtliche Helfer ganz genau so, weil es uns extrem demotiviert."

"Niemand übernimmt Verantwortung"

Burkard Dregger zeigt Verständnis für den Ärger der Helfer: "Ich tue und hoffe auch, dass die Verwaltung alles tut, um die Situation immer besser in den Griff zu kriegen. Und ich hoffe, dass auch die Dinge, die sie bemängeln, die nicht ideal sind, in absehbarer Zeit beseitigt werden. Aber das passiert halt in Deutschland, da gibt es auch viele Vorschriften, die man einhalten muss, Brandschutz und Dinge, die es möglicherweise in anderen Ländern nicht in diesem Ausmaße gibt – und deswegen dauert es ein bisschen."

Mit diesen Aussagen ist Amei von Hülsen nicht zufrieden: "Das war genau das, was wir seit Monaten – oder Jahren – in Berlin erleben: Es ist einfach niemand zuständig. Er steht hier als Vertreter der CDU, die wiedergewählt werden soll und sagt: Na ja, es wäre die Verwaltung. Nein. Es sind auch die CDU-Senatoren, die dafür zuständig sind, dass das endlich funktioniert. Und es ist das Parlament, das die Verwaltung kontrolliert. Egal, mit wem man in Berlin redet: Niemand übernimmt die Verantwortung und sagt: Okay, ich sorge mal dafür, dass die Dinge klappen. Und deshalb klappen sie auch nicht." Von außen stelle sich tatsächlich die Frage, ob das nicht sogar gewollt sei und Menschen hier solange in Turnhallen gehalten würden, bis sie abgeschreckt seien und freiwillig nach Hause gingen.

Zahlen und Fakten

  • Zahlen - Wie viele Flüchtlinge kommen?

  • Ankunft - Wie funktioniert die Aufnahme der Flüchtlinge?

  • Andrang - Wie viele Flüchtlinge kommen pro Tag in die Erstaufnahme?

  • Status quo - Wie viele Flüchtlinge sind offiziell registriert?

  • Verteilung - Wie werden die Flüchtlinge auf Bezirke und Landkreise verteilt?

  • Wohnen - Wer muss dafür sorgen, dass Unterkünfte zur Verfügung stehen?

  • Unterkunft - Wo werden die Flüchtlinge untergebracht?

  • Unterbringung - Wer zahlt?

  • Wohnort - Welchen Einfluss hat ein Asylbewerber darauf?

  • Jobs - Dürfen Flüchtlinge arbeiten?

  • Geld - Wieviel bekommt ein Flüchtling im Monat?

  • Geldquelle - Wie bekommen Asylbewerber ihr Geld?

  • Smartphone - Haben sie einen Anspruch darauf?

  • Krankheit - Sind Asylbewerber versichert?

  • Kita - Flüchtlingskinder Anspruch auf einen Platz?

  • Organisation - Wie werden die Kinder auf die Kitas verteilt?

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Die Diskussion läuft: Constance Meyer-Thietz, Sylvia Tiegs, Cerstin Richter-Kotowski (CDU) und Marion Kruck (ver.di) (Bild: Dieter Freiberg)

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