Sylvia Tiegs leitet die Diskussion zwischen Görli-Anwohner Martin Heuß und CDU-Politiker Kurt Wansner (Bild: rbb/Goltz)

Ihr Thema: Kriminalitätsschwerpunkt - Was wird aus dem Görli?

Drogendealer haben den Görlitzer Park in Kreuzberg fest im Griff. Das stört auch Anwohner Martin Heuß. Noch mehr Polizei will er aber nicht - stattdessen mehr Sozialarbeiter. Der langjährige CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis am Görli, Kurt Wansner, sieht das ganz anders. Inforadio und die Abendschau haben die beiden zur Diskussion zusammengebracht.

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg ist in den vergangenen Jahren zum Synonym geworden: Für aufdringlichen Drogenhandel und eine Stadt, die der Kriminalität nicht mehr Herr wird. Als Reaktion auf die inakzeptable Lage wollte Innensenator Frank Henkel (CDU) hart durchgreifen: Er führte eine Null Toleranz – Politik ein, ließ Bäume und Sträucher beschneiden und den Park nachts mit Lichtern fluten. Viel geholfen hat das alles nicht. Der Park ist nach wie vor für viele Familien mit Kindern eine No-Go-Area.

"Mehr Polizei reicht nicht"

Schon lange machen sich Anwohner stark für Verbesserungen. Einer von ihnen ist Martin Heuß. Der Software-Entwickler wohnt und arbeitet seit vielen Jahren in Kreuzberg. Vor zwei Jahren gründete er die "Anwohnerinitiative Görlitzer Park". Das Rezept "mehr Polizei" ist für ihn nicht sinnvoll: "Das ist dann ein Katz- und Mausspiel." Seine Initiative hat am Entwurf eines Konzeptes mitgearbeitet. Das setzt auf mehr Sozialarbeiter, einen Parkmanager und auf Hilfsangebote für die Flüchtlinge im Park, um die vom Drogenverkauf weg zu bekommen.

"Eine grundsätzliche Besserung ist nicht zu beobachten"

Für "Ihr Thema" hat Martin Heuß mit dem Kreuzberger CDU-Politiker Kurt Wansner diskutiert, zu dessen Wahlbezirk der Görli gehört. Dabei hat er klargestellt, dass auch sein Konzept die Polizei mit einbezieht, nur müsse es auch andere Maßnahmen geben: "Es geht um die Veränderung des öffentlichen Raumes, Prävention, Deeskalation." Sein Gegenüber Kurt Wansner von der CDU setzt hingegen erst einmal auf die Polizei und betont: "Wenn wir fair sind, sollten wir davon ausgehen, dass es auch hier weitaus besser geworden ist." Dem stimmt Martin Heuß nur bedingt zu: "Der massive Einsatz von Polizei ist nicht vollkommen wirkungslos. Aber man kann überhaupt nicht beobachten, dass eine grundsätzliche Besserung eingetreten ist."

Wann setzt der Bezirk das Konzept um?

Eine komplette Verdrängung des Drogenhandels im Park hält Heuß ohnehin für illusorisch und sieht sich da in guter Gesellschaft: "Der Polizeipräsident hat auf einer Podiumsdiskussion gesagt: Es war nie das Ziel, den Drogenhandel vollständig zu eliminieren. Das ist ja vollkommen unrealistisch." Ein Standpunkt, den Kurt Wansner nicht teilen kann: "Wenn wir davon ausgehen sollten, dann ist das eine Bankrotterklärung und ein sichtbares Scheitern für die Menschen, die hier leben." Er wirft dem Bezirk mit Bürgermeisterin Herrmann von den Grünen vor, "jämmerlich versagt" zu haben, was Heuß so nicht stehen lassen will: "Ja, der Bezirk hat sich nicht genug gekümmert. Aber mittlerweile liegt ein Konzept vor, Frau Herrmann bekennt sich zu dem Konzept und ich denke, da passiert was. Wir verdanken das nicht der Polizei."

Bildergalerie

"Wir können Recht und Gesetz nicht aufgeben"

Kurt Wansner bleibt jedoch dabei: "Wir können Recht und Gesetz hier nicht aufgeben." Doch am Ende finden sich mehr Kompromisslinien, als zuvor gedacht: Wansner gibt zu, nichts gegen Sozialarbeiter zu haben, wenn sie denn zusätzlich zur Polizei eingesetzt werden. Und auch für Martin Heuß ist klar, dass es Polizeipräsenz braucht, um die von ihm gewünschten Parkläufer und  Sozialarbeiter zu schützen.

Auch auf inforadio.de

Die Diskussion läuft: Constance Meyer-Thietz, Sylvia Tiegs, Cerstin Richter-Kotowski (CDU) und Marion Kruck (ver.di) (Bild: Dieter Freiberg)

Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin - Ihr Thema: Sie haben die Wahl

Ungelöste Probleme gibt es in Berlin zu genüge. In den beiden Wochen vor der Wahl zum  Abgeordnetenhaus am 18. September geben deswegen inforadio und die Abendschau Ihnen die Chance, mit Berliner Politikerinnen und Politikern über die Themen zu diskutieren, die Ihnen auf der Seele liegen.