Hände halten ein Geschenk (Bild: imago/STPP)

- Adventstürchen 9: Schenken und Altruismus

Wer etwas verschenkt, macht jemand anderem eine Freude, ohne an sich zu denken. Aber ist das wirklich so? Jakob Bauer denkt im neunten Adventstürchen von rbb Inforadio über Schenken und Altruismus nach.

Ich bin Journalist, damit verdiene ich Geld. Und ich mache das Programm bei einem Konzertverein - ehrenamtlich. Damit verdiene ich kein Geld. Aber dafür gehen 90 Prozent meiner Freizeit drauf. Wir machen Veranstaltungen für alle, umsonst und draußen. Wir schenken den Leuten Kultur. Aber sind das Geschenke, die uns nichts bringen? Ist das altruistisch? Ein Freund von mir drückt es so aus: "Man hat Bock, sich diesen Stress zu geben, weil dieses Gefühl ist dann - geiler als Sex."

Also, mitnichten nur altruistisch, diese Geschenke. Man kriegt etwas zurück, unmittelbar. Irgendwie legitim - und auf meiner persönlichen Altruismus-Skala würde ich das im soliden Mittelfeld anordnen. Spannend wird das Thema, wenn es in die Extremen geht: "Wie können wir Herz und Verstand verbinden, um möglichst viel Gutes in der Welt zu tun?" - das sagt Jan Dirk Capelle von der Stiftung "Effektiver Altruismus" in Berlin.

Hier geht es um das Maximum. Alles rausholen. Der "effektive Altruismus" ist dabei Handlungsanleitung und philosophische Strömung in einem. Kleine Gesten, mal hier was spenden, mal da in der Tafel helfen, reichen nicht, sagen sie. Stattdessen ist der hehre Anspruch: Die Welt retten. Ein Weg dahin ist zum Beispiel: Geld verdienen, nicht unbedingt das studieren was man will, sondern das, wo am meisten bei rumkommt. Um dann gezielt viel abgeben zu können. Mit dem System arbeiten, nicht gegen es. Mitglieder der Stiftung verpflichten sich 10 Porzent ihres Einkommens zu stiften. Das ist wohl das eine Ende der Skala.

"Ich bin Red - und ich bin John - wir sind gerade in Stuttgart und wir haben uns gedacht, dass wir Obdachlosen was zu essen geben und ihnen ein bisschen Kleidung geben und uns dabei filmen, um zu sehen, wie sie reagieren." - ein Video auf dem Kanal des YouTubers ApoRed. Er und sein Buddy gehen durch Stuttgart, beschenken Obdachlose, filmen sich mit ihnen. Es läuft kitschige Musik, Zoom auf die Gesichter der Beschenkten und die Schenkenden. Knapp zwei Millionen Klicks. Lob und Liebe für die YouTuber, Kommentar: "Leute, die Sachen an Obdachlose verschenken, finde ich ja richtig cool." Altruismus als Farce - stattdessen reine Selbstbeweihräucherung. "Sonst, wenn euch das Video gefallen hat liebe Freunde, dann lasst auf jeden Fall einen Daumen hoch da, das ist sehr wichtig, und teilt es mit euren Freunden."

Das ist wohl das andere Ende der Skala. Ich bleibe lieber im soliden Mittelfeld.

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Geschenke, Geschenke, Geschenke

Alle Jahre wieder: Bis zum 24. Dezember öffnen die Kollegen der Inforadio-Kulturredaktion jeden Morgen ein Türchen am Inforadio-Adventskalender. Ums Schenken geht es in diesem Jahr. Wissenswertes, Gedanken, Erlebnisse. Und natürlich auch immer wieder: Geschenke an Sie.