ARCHIV: Absolventen werfen ihre Doktorhüte vor der Thomaskirche in Leipzig in die Luft (Bild: picture alliance / dpa)
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Wissenswerte - Soup & Science: Simply the best? Nachwuchsförderung im Wissenschaftsbetrieb

Dr. Miriam Kip vom QUEST Center for Responsible Research des Berlin Institute of Health hat mit ihrem Team analysiert, nach welchen Kriterien über die Besetzung von Professuren entschieden und Projektgelder verteilt werden. Über ihre Erkenntnisse spricht sie beim Lunchtalk "Soup & Science" mit Anna Corves.

Ihren diesjährigen Nobelpreis für Medizin hat Katalin Karikó definitiv nicht den Auswahlspielregeln des Wissenschaftsbetriebs zu verdanken: Ihre universitäre Karriere wurde blockiert, Projektanträge abgelehnt, das Potential ihrer mRNA-Forschung nicht erkannt. Und das ist nicht der tragische Einzelfall eines verkannten Genies (mit Happy End). Sondern dahinter steckt ein System, auch an deutschen Hochschulen, das Wissenschaftlerinnen nach ganz bestimmten Kriterien bewertet, auswählt und fördert – oder eben nicht.

Anna Corves mit Frau Kip (Bild: Technologiestiftung Berlin/Michael Scherer)
Bild: Technologiestiftung Berlin/Michael Scherer

Und dieses Bewertungssystem selektiert nicht immer die qualitativ besten Forscherinnen und Forscher, sondern setzt auch Fehlanreize, sagt Dr. Miriam Kip. Sie arbeitet am QUEST Center for Responsible Research des Berlin Institute of Health. Mit ihrem Team hat sie analysiert, nach welchen Kriterien Berufungskommissionen über die Besetzung von Professuren entscheiden oder im Mittelbau Projektgelder verteilt werden. Und sie versucht, neue Auswahlkriterien zu etablieren, die nicht nur die längste Publikationsliste oder die meisten eingeworbenen Drittmittel belohnen, sondern beispielsweise auch ein hohes Engagement für open science oder das Einbinden der Öffentlichkeit.

Mit ihrem Team hat sie eine App entwickelt, die es Auswahlkommissionen – zunächst an der Charité, potentiell aber auch anderen Wissenschaftsinstitutionen – erleichtern kann, komplexere Qualitätskriterien anzuwenden. Die tatsächlich in Auswahlverfahren zu implementieren, bedeutet aber das Bohren dicker Bretter – denn letztlich geht es um einen Kulturwandel in einem alttradierten System.

Soup & Science ist eine gemeinsame Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin und rbb24 Inforadio.