Symbolbild: Fischen auf dem Bodensee
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Vis à vis - Wie nachhaltig haben unsere Vorfahren gewirtschaftet, Frau Kehnel?

Auch die Menschen im Mittelalter haben schon nachhaltig gedacht und gewirtschaftet. Wie das funktionierte, hat sich die Historikerin Annette Kehnel angeschaut und ist auf das Beispiel Fischfang am Bodensee gestoßen. Von Christian Wildt

Flickschuster, Scherenschleifer, Lumpensammler: Das klingt furchtbar altmodisch und nach finsteren Vorzeiten. Während wir andererseits Recycling, Upcycling oder gar den kecken Werbespruch auf dem Mülllaster "Wir nennen es Rohstoff" sofort als modern einstufen. Die Mannheimer Historikerin Annette Kehnel hat sich intensiv angeschaut, wie nachhaltig bereits unsere Vorfahren wirtschaften konnten. Und siehe da: Sie konnten es erstaunlich gut!

Wie früher nachhaltig gewirtschaftet wurde

 

Auf die Idee, in die Vergangenheit zu blicken, wie dort gewirtschaftet wurde, hätten Annette Kehnel u.a. ihre Kinder gebracht, die aus der Generation "Fridays for Future" stammten: "Da sind so viele Ideen und neue Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens und immer wieder habe ich mir gedacht: das kommt mir doch bekannt vor". Kehnel zählt Ideen wie generationsübergriefende WGs, "Containern" und Waldgenossenschaften auf. Dieser Spur sei sie gefolgt.

Aus alt macht neu

 

Bei ihren Recherchen hat die Historikerin zu ihrem eigenen Erstaunen festgestellt, dass "die Konzepte für neues Wirtschaften im 21. Jahrhundert vielleicht mehr mit denen der Vormorderne zu tun haben, als wir das ursprünglich dachten und vor allem haben sie mehr damit zu als, was wir im 20. Jahrhundert zum Goldstandard erklärt haben". Kehnel warnt davor, alles, was in der Vergangenheit war, als finster anzusehen. "Ich möchte auch nicht zurück ins Mittelalter", sagt die Historikerin, aber es habe früher eine große Vielfalt des Wirtschaftens gegeben, die aktuell nur noch Profitmaximierung konzentriert worden sei.

Vorausschauendes Wirtschaften

 

Am Beispiel des Bodensees erzählt Kehnel, wie bereits früh Ressourcenknappheit von den Vorfahren erkannt worden sei. Man habe sich früh auf Fischertagen lokale Regeln gegeben, etwa die Fangmaschen erweitert, um einer Überfischung entgegenzutreten.