Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) fährt einen Gang vor seinem Büro im Deutschen Bundestag herunter
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Interview - Thierse (SPD) über Schäuble: Entschiedenes Handeln und tragische Momente

Mit Wolfgang Schäuble ist am zweiten Weihnachtstag ein prägender Christdemokrat gestorben. Wolfgang Thierse (SPD) hat den CDU-Politiker über lange Zeit aus der Nähe erlebt. Dessen Einsatz für den Hauptstadtumzug bewundere er bis heute.

"Er war ein starker, ein entschiedener, ein entschlossener Politiker - wirklich von großer Entscheidungskraft", sagt der Sozialdemokrat Wolfgang Thierse über seinen CDU-Kollegen Wolfgang Schäuble. Am zweiten Weihnachtstag war der langjährige Bundestagsabgeordente und ehemalige Bundestagspräsident gestorben.

"Aber er war auch ein Politiker, der ein tragisches Schicksal zu tragen hatte", sagt Thierse, der Schäuble lange erlebte. Damit meint er nicht nur das Attentat 1990, infolgedessen der CDU-Politiker 33 von den insgesamt 51 Jahren als Bundestagsabgeordnenter im Rollstuhl sitzen musste.

Opfer der Spendenaffäre

 

Tragisch sei Schäubles politische Laufbahn auch deshalb gewesen, weil er Helmut Kohls Spendenäffäre zum Opfer fiel - obwohl er zum damaligen Kanzler stets loyal gewesen sei. Schäuble legte damals seinen CDU-Vorsitz nieder. "Es ist ihm verwehrt worden, Bundeskanzler und Bundespräsident zu werden", sagt Thierse.

Einsatz für Hauptstadtumzug

 

Schäuble war in den darauffolgenden Jahren nicht nur Innen- und Finanzminister. Als Politiker aus dem Südwesten Deutschlands erarbeitete auch den Einigungsvertrag auf westdeutscher Seite. "Er war im besten Sinne ein deutscher Patriot", sagt Thierse über Schäubles Engagement in der Hauptstadtdebatte. Dieser habe eine außerordentliche Rede gehalten, in der er für den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin plädierte.

Architekt der Deutschen Einheit

 

Schäuble, so Thierse, sei mit großer Leidenschaft an der Deutschen Einheit interessiert gewesen. "Das sind Dinge, die in Erinnerung bleiben müssen. Das sind große Leistungen, die er erbracht hat", so der SPD-Politiker - auch wenn Thierse als Politiker aus dem Osten immer kritisiert habe, in welcher Totalität der Christdemokrat das westdeutsche Modell über die neuen Bundesländer stülpte.

Schäuble habe das ostdeutsche Jammern darüber nie verstanden. "Das war eine Grenze des Verstehens, so wie ich die westdeutsche Arroganz nie verstanden habe", sagt Thierse, "aber das mindert ja nicht seinen politischen Beitrag."

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