Ein schwules Paar mit ihrem Kind
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Interview - Gender-Forscherin zum Co-Parenting: "Kinderwohl steht im Mittelpunkt"

Immer mehr Menschen wünschen sich eine Familie abseits des klassischen Modells. Das Co-Parenting, bei dem die Eltern nicht in einer romantischen Beziehung sind, ist eine Alternative, die auch für Kinder neue Möglichkeiten bietet, sagt die Genderwissenschaftlerin Alicia Schlender.

Immer mehr Menschen in Deutschland wollen ihren Kinderwunsch auch abseits vom klassischen Familienmodell ausleben. Auch Singles und homosexuelle Paare wollen sich den Traum vom Elternwerden erfüllen. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Co-Parenting, ein Modell, in dem die Erziehungspersonen nicht in einer romantischen Beziehung zueinander stehen.

Das Kind verbringt in einer Co-Elternschaft oftmals eine Woche beim einen, dann eine Woche beim anderen Elternteil. Anders als bei Scheidungspaaren, bei denen es auf den ersten Blick ähnliche Lösungen geben kann, sei das Aufziehen des Kindes an zwei Orten beim Co-Parenting aber oft schon vor der Geburt fest vereinbart. Und da die Eltern auch nicht in einer romantischen Beziehung waren, könnten viele Fragen rund ums Kind weniger emotional geklärt werden, sagt Alicia Schlender von der Humboldt Universität.

Familien jenseits der deutschen Bürokratie-Schablone

 

Internationale Studien hätten bereits gezeigt, dass es den Kindern in solchen Co-Parenting-Modellen oftmals sehr gut ginge, weil das Kinderwohl im Mittelpunkt der Co-Eltern stehe, die sich in dieser Konstellation vor allem um ihren Wunsch zusammengefunden hätten, ein Kind großzuziehen, erklärt die Genderwissenschaftlerin, die in ihrer Doktorarbeit zu Patchworkfamilien forscht. Außerdem biete das Co-Parenting den Kindern oft mehrere Identitätsentwürfe, an denen sie sich orientieren können.

Probleme gebe es für Co-Eltern dagegen viel öfter beim Umgang mit der Bürokratie. In vielen Formularen von Behörden oder Schulen seien Modelle jenseits der klassischen Mutter-Vater-Kind-Familie immer noch nicht vorgesehen, sagt Schlender. "Das ist dann letztlich auch ein Nachteil für die Kinder, wenn die immer wieder gesondert werden, weil sie nicht in die Schablonen passen."

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