Ein Mikrophon mit der Aufschrift Die Linke.
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Interview - Politologe zur Linkspartei: "Die Fraktion zerbricht"

Die Linkspartei sucht eine neue Fraktionsspitze - bisher aber ohne Erfolg: Die Fraktion sei inhaltlich tief zerrüttet, sagt Constantin Wurthmann vom GESIS-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim. Derzeit sei ungewiss, ob die Linkspartei überhaupt eine Zukunft hat.

Viele Klausurtagungen gab es in der vergangenen Woche bei den Parteien in Vorbereitung auf die neuen Sitzungswochen des Bundestags nach der parlamentarischen Sommerpause. Die Ampelkoalition saß zusammen, die Unions-Fraktion, die AfD-Fraktion und auch die Fraktion der Linkspartei. Sie hat im Moment besonders zu kämpfen. Bisher hat sich niemand gefunden, der künftig den Vorsitz übernehmen will oder kann. Die geplante Wahl am Montag wurde verschoben.

Wurthmann: Einigung auf Kandidaten nicht mehr möglich

 

Der Politikwissenschaftler Constantin Wurthmann vom GESIS-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim sieht in der verschobenen Wahl ein deutliches Zeichen dafür, wie zerstritten die Fraktion ist. "Man kann sich offensichtlich nicht mehr auf gemeinsame Kandidatinnen und Kandidaten einigen", sagt Wurthmann. Der "Burgfrieden", der lange Jahre zwischen den Lagern der Linkspartei bestanden habe, sei nicht mehr möglich. "Die Fraktion zerbricht quasi."

Über der Suche nach neuen Fraktionsvorsitzenden schwebe drohend die mögliche Parteigründung von Sarah Wagenknecht. Sollte das passieren, würden sich voraussichtlich viele Mitglieder Wagenknecht anschließen und aus der Linkspartei austreten - die Linke würde ihren Status als Fraktion verlieren.

Zukunft der Linkspartei ungewiss

 

Die Streitigkeiten seien nicht nur personeller, sondern auch zutiefst inhaltlicher Natur, betont Wurthmann. Davon, wer sich im internen Machtkampf durchsetze hänge es ab, "ob die Linke wirklich noch eine eigene Zukunft hat".