Ein-Euro-Münze auf Europa-Fahne mit Computerplatine und Binärcode
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Interview - Finanzexperte: Digitaler Euro soll unabhängiger machen

Die EU-Kommission hat am Mittwoch einen Gesetzesvorschlag für die Einführung eines digitalen Euros vorgelegt. Für Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von finanztip.de, verfolgt sie damit mehrere Ziele. So gehe es um die Unabhängigkeit von außereuropäischen Dienstleistern und den Schutz vor hohen Gebühren.

Mit dem digitalen Euro will es die Europäische Kommission ermöglichen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher eine von privaten Dienstleistern unabhängige digitale Alternative zum Bargeld haben. Die EU-Behörde wolle künftig "auch strategisch den Daumen darauf haben", dass das virtuelle Bezahlen ohne außereuropäische Anbieter möglich ist, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von finanztip.de. Sicherlich wolle die EU mit dem digitalen Euro aber auch Gewinne machen.

Kommission sieht im digitalen Euro keinen Schritt zur Abschaffung des Bargelds

 

"Ein anderer Zweck könnte eben auch sein, dass man bei politischen Auseinandersetzungen nicht davon abhängig sein will, dass das Bezahlsystem (...) durch Sanktionen von irgendjemand außerhalb unseres Einflussbereiches, also außerhalb Europas, gestoppt, beschädigt, behindert wird", sagt der Finanzexperte. Die EU-Kommission bestreite, dass der digitale Euro ein Schritt zur Abschaffung des Bargelds ist. Für die Mitgliedstaaten könne es durch die neue Zahlungsmethode jedoch einfacher werden, den Bürgerinnen und Bürgern Geld zu überweisen. Das würde dann auf ein sogenanntes "Digital Wallet" eingezahlt.

Die privaten Banken befürchten laut Tenhagen, dass eine neue günstigere Konkurrenz entsteht. Wenn die Händler entfallende Gebühren nämlich an Kundinnen und Kunden weitergeben, könne es am Ende mit dem digitalen Euro für sie günstiger werden. "Das ist ja auch ein Teil dessen, was jedenfalls die Kommission sagt. Sie erhofft sich davon auch, dass die Konkurenz, die dann da so ein bisschen entsteht, dafür sorgt, dass die Gebühren nicht durch die Decke schießen."

Hintergrund

EU-Kommission legt Gesetzesvorschlag für digitalen Euro vor

Die EU-Kommission will mit einem Reformpaket den Wettbewerb im europäischen Zahlungsverkehr voranbringen und rechtliche Grundlagen für die Einführung eines digitalen Euro schaffen. "In der Praxis wird dieser Vorschlag zu innovativeren Finanzprodukten und -dienstleistungen für die Nutzer führen und den Wettbewerb im Finanzsektor anregen", teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel zur Vorlage des Reformpakets mit.

Darunter ist auch ein Gesetzesvorschlag für eine mögliche Einführung eines digitalen Euro. Die EU-Staaten und das EU-Parlament müssen den Kommissionsvorschlägen noch zustimmen. Änderungen sind daher wahrscheinlich.

Mit dem Gesetzesvorschlag für einen digitalen Euro ziele die Kommission darauf ab, dass Verbraucher und Unternehmen eine zusätzliche Wahlmöglichkeit zu den derzeitigen privaten Optionen erhielten, erklärte die Brüsseler Behörde. Sie könnten dann zukünftig digital auch mit einer weithin akzeptierten, billigen und sicheren Geldform zahlen. Der digitale Euro soll Bargeld ergänzen und in einer digitalen Geldbörse zum Beispiel auf dem Handy aufbewahrt werden. Mit dem Gesetzesvorschlag werde ein rechtlicher Rahmen geschaffen. Letztlich obliege es aber der Europäischen Zentralbank (EZB) zu entscheiden, ob und wann sie einen digitalen Euro in Umlauf bringe.

Den bisherigen Plänen zufolge will der EZB-Rat im Oktober beschließen, ob dem Projekt endgültig grünes Licht erteilt wird. Die daran anschließende Vorbereitungsphase könne zwei bis drei Jahre dauern, hatte EZB-Direktor Fabio Panetta unlängst gesagt. Die Digital-Version der Gemeinschaftswährung könne somit in etwa drei oder vier Jahren als Zahlungsmittel in den Umlauf gebracht werden. - Reuters

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