Ein Schild "Arztpraxis" steht an der Straße.
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Interview - KV Brandenburg: "Brauchen mehr junge Ärzte"

In Brandenburg fehlen Ärzte. Vor allem jenseits des Berliner Speckgürtels sei es schwierig, sagt Catrin Steiniger, Vorstandschefin der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Die Politik dürfe Förderprogramme nicht zurückfahren, wie zuletzt bei den Stipendien, sondern müsse sie ausbauen.

Um dem Ärztemangel in Brandenburg entgegenzuwirken, nehme die Kassenärztlichen Vereinigung selbst finanzielle Mittel in die Hand, sagt die Vorstandsvorsitzende Catrin Steiniger. "Wir haben mit den Krankenkassen Förderregionen definiert. Für Ärzte, die sich dort niederlassen, gibt es einen Zuschuss von 55 000 Euro." Außerdem habe die KVBB einen Fonds in zweistelliger Millionenhöhe für die Nachwuchsförderung ins Leben gerufen. "Das bezahlen wirklich Ärzte aus ihrer eigenen Tasche", erklärt Steiniger.

Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) vorschlägt, seien aus ihrer Sicht grundsätzlich nichts Schlechtes, sagt die Fachärztin für Urologie, die eine Praxis in Lübbenau im Spreewald hat. Sie warnt aber vor MVZ, die von Investoren betrieben werden. Diese seien meist profitorientiert und die Versorgung der Bevölkerung stehe nicht im Vordergrund.

KVBB fordert mehr Landärzte-Stipendien


"Ich kann nachvollziehen, dass es jüngere Leute eher in die medizinischen Versorgungszentren oder auch in angestellte Positionen zieht", sagt Steiniger. Das hänge unter anderem mit dem hohen Bürokratieaufwand und einer schlechteren Vergütung von selbstständigen Ärzten zusammen. Die Rahmenbedingungen würden schlechter.

Die Politik müsse auch im ambulanten Bereich Verantwortung übernehmen - etwa durch Förderprogramme, fordert die KVBB-Vorstandschefin. "Das Landärzte-Stipendium ist wichtig", betont sie. "Da wurden die Zahlen zurückgefahren anstatt ausgeweitet. Wir brauchen mehr junge Ärztinnen und Ärzte hier in Brandenburg und die Förderung darf nicht zurückgedreht werden."

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