Blick auf eine Druckanzeige auf dem Gelände eines Untergrund-Gasspeichers in Sachsen-Anhalt (Bild: dpa / Christian Modla)
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Interview - Energieexpertin Kemfert: "Wenn Russland kein Gas mehr liefert, muss es sehr schnell gehen"

Die Mitgliedsstaaten der G7 wollen russisches Gas und Öl nicht in Rubel bezahlen. Die russische Führung droht deswegen damit, die Gaslieferungen einzustellen. Obwohl das gar nicht so einfach sei, rät Claudia Kemfert, Energieexpertin des DIW, sich auf alles vorzubereiten.

Am Montag haben die G7-Mitgliedsstaaten geschlossen verkündet, dass sie der Forderung von Wladimir Putin nicht nachkommen werden, russische Gas- und Öllieferungen zukünftig in Rubel zu bezahlen. Die russische Führung hatte für diesen Fall damit gedroht, die Gaslieferungen komplett einzustellen. Doch das sei gar nicht so einfach, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

"Ein Gasfeld kann nicht einfach geschlossen werden. Das Gas muss irgendwo hin." Um die G7 tatsächlich vom russischen Gas abzuschneiden, müsste das Gas entweder in andere Länder umgeleitet werden, wobei es dafür gar nicht so viele Optionen gebe, erklärt Kemfert. Weil die russischen Gasspeicher schon gut gefüllt seien, bliebe als einzige Alternative, das Gas einfach in Russland abzufackeln. "Das wäre aus Klimasicht ein Desaster."

Neue Gaslieferanten für den nächsten Winter

 

In der Vergangenheit habe Russland aber bereits gezeigt, dass es durchaus dazu bereit sei, seine Gaslieferungen zumindest so umzuleiten, dass es beispielsweise 2012 in Südosteuropa tatsächlich zu Engpässen gekommen sei. Deswegen müsse man sich in der aktuellen Lage auf alles vorbereiten, warnt die Energieexpertin.

Es sei richtig, dass sich die G7-Staaten in der aktuellen Situation auf die in Euro und Dollar ausgehandelten Lieferverträge berufen würden. Doch wenn diese Verträge auslaufen und Russland danach tatsächlich kein Gas mehr liefert, müsse es sehr schnell gehen, so Kemfert. "Wir müssen noch mehr Gespräche führen mit Holland und vor allem Norwegen, um das Schlimmste abzumildern, um für den nächsten Winter die Speicher zu füllen und aus anderen Quellen Gas zu beziehen."