Robert Habeck (Mitte, schwarzer Anzug), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, wird auf dem Flughafen in Doha verabschiedet (Bild: dpa / Bernd von Jutrczenka)
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Interview - Politologe Goldthau: "Ein Land allein wird das russische Gas nicht ersetzen können"

Um unabhängiger von russischer Energie zu werden, verhandelt Wirtschaftsminister Habeck über Gaslieferungen von der arabischen Halbinsel. Andreas Goldthau vom Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung prognostiziert einen harten Wettbewerb um Energie.

Auf vielen Wegen versucht Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck aktuell, Deutschland unabhängiger von russischem Gas und Öl zu machen. Am Wochenende vereinbarte der Grünen-Politiker mit Katar ein Abkommen über Flüssiggaslieferungen, am Montag ist Habeck in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um eine weitere Kooperation im Energiesektor zu vereinbaren.

Trotzdem sei es noch ein langer Weg bis zur vollständigen Energieunabhängigkeit von Russland, sagt Andreas Goldthau, Politologe am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam. "Wir müssen sehen, Russland liefert ein Drittel der gesamten europäischen Erdgasimporte. So etwas zu ersetzen ist schwierig."

Klimabilanz wird leiden

 

Kein Land allein könne die russischen Gaslieferungen nach Europa einfach übernehmen, erklärt Goldthau. Deswegen bereise Wirtschaftsminister Habeck gerade mehrere Länder, darunter auch Norwegen, um die Gaslieferungen aus mehreren Quellen abzusichern. Eine besondere Rolle werde da zukünftig auch den USA zukommen. "Die größten Möglichkeiten liegen in den USA, nicht nur was die Exportkapazitäten angeht, sondern auch was die Flexibilität bei den Verträgen angeht."

Um sich unabhängiger vom russischen Gas zu machen, müsse die Bundesregierung auch von ihren Klimazielen abrücken, glaubt der Politikwissenschaftler. "Wir werden einen Teil der Kohleenergie zurückbringen müssen, um das Erdgas zu ersetzen." Außerdem habe das Erdgas aus den USA, das mit der umstrittenen Fracking-Methode gewonnen wird, nicht die beste Klimabilanz. Letztendlich gebe es aktuell aber keine Alternative, da auch die Gefahr bestehe, dass Russland die Gaslieferungen von sich aus einstelle.