Ein Kreuz hängt an der Wand während einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising.
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Interview - Katholische Kirche: Missbrauchsopfer fordern Unterstützung

Zum jahrzehntelangen Missbrauch im Erzbistum München hat Kardinal Marx am Donnerstag gesagt: Es sei unverzeihlich, die Betroffenen übersehen zu haben. Den Opfern geht das nicht weit genug. Der Sprecher des "Eckigen Tischs", Matthias Katsch, sagt, man warte vergeblich auf Hilfe.

"Für die Betroffenen ist das alles schwer erträglich", so Katsch. "Wir warten wirklich immer noch auf die versprochene Hilfe. Es gibt bis heute keine Anlaufstelle, keine Beratungsstelle." Der "Eckige Tisch" arbeite ehrenamtlich und werde geflutet mit Mails und Nachrichten von Opfern. "Wir haben immer noch kein sogenanntes Opfergenesungswerk […] und von Entschädigungen will ich gar nicht erst anfangen."

"Marx muss seine Schuld bekennen"


Er werte die Äußerungen von Kardinal Marx auch nicht als Entschuldigung, sagt Katsch. Aus dem Gutachten hätten sich Fragen zur persönlichen Verantwortung des Kardinals ergeben - und diese hätte er beantworten müssen, so der Sprecher: "Ein klares Schuldbekenntnis und ein Einräumen, dass die Anwälte Recht haben mit dem, was sie dort herausgefunden haben." Die logische Konsequenz daraus wäre dann, das Amt niederzulegen, meint Katsch.

Aufarbeitung außerhalb der Kirche


Die Aufarbeitung des jahrzehntelangen Missbrauchs könne wohl nur außerhalb der kirchlichen Strukturen stattfinden, durch die Politik, so Katsch: "Wie handlungsunfähig die Kirche selber ist, das haben wir ja gerade am Beispiel dieses Kardinals und seiner Verstrickungen gesehen. […] Wir sind noch lange nicht am Ende. Das war jetzt ein Bistum von 27. Von den Ordensgemeinschaften haben wir noch gar nicht gesprochen."