Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2 in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern (Bild: dpa / Stefan Sauer)
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Interview - Droht bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts eine Gasversorgungslücke?

Aktuell ist Deutschland für seine Energieversorgung auf Russland angewiesen. Um sich auch für den Fall einer Eskalation des Ukraine-Konflikts unabhängiger vom russischen Gas zu machen, muss Deutschland die Energiewende umsetzen, sagt Claudia Kemfert vom Institut für Wirtschaftsforschung.

Darf sich Deutschland angesichts des russischen Aufmarschs an der Grenze zur Ukraine noch mit Gas aus Russland versorgen lassen? Über diese Frage wird vor allem anhand der Ostseepipeline Nord Stream 2 immer wieder diskutiert. Noch ist Deutschland bei der Energieversorgung aber auf Russland angewiesen.

50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Gases würden inzwischen aus Russland stammen, erklärt Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Es sei deswegen ein großer Fehler, Deutschland mit Nord Stream 2 noch abhängiger vom russischen Gas zu machen.

Energiewende würde mehr Unabhängigkeit bringen

 

Auch bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts würde der Gasversorgung aus Russland nicht automatisch eingestellt, glaubt Kemfert. "Wir beziehen zwar viel Gas aus Russland, aber auch Russland braucht diese Einnahmen." Dabei liefere Russland seit Monaten aber auch nur das, was vertraglich vereinbart wurde, obwohl die Nachfrage in Deutschland und Europa wesentlich größer sei.

"Wir sind da in eine Gaskrise reingeschlittert. Deswegen haben wir auch diese Preissprünge", sagt Kemfert. Um zukünftig unabhängiger von Russland zu werden, setzt die Ökonomin auf die Energiewende. Einerseits könne man durch die energetische Gebäudesanierung viel Gas einsparen. Andererseits müsse man vor allem bei der Stromversorgung mehr auf erneuerbare Energien setzen und wegkommen vom fossilen Erdgas.