Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream.
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Krieg in der Ukraine - Wirtschaftsexperte: Ende russischer Gaslieferungen denkbar

Die westlichen Staaten reagieren auf den russischen Angriffskrieg vor allem mit Wirtschaftssanktionen. Für die deutsche Wirtschaft seien die Folgen verkraftbar, sagt der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Es könne aber passieren, dass Deutschland bald auf russisches Gas verzichten müsse.

Russische Banken sollen aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen werden. Man gehe davon aus, dass etwa 70 Prozent des russischen Bankenmarktes betroffen seien, so Hüther. Lediglich die Banken, die Zahlungen für Energielieferungen abwickeln oder für Zahlung russischer Schulden notwendig sind, sollen nicht ausgeschlossen werden.

Deutschland wird Gasimport aus anderen Ländern vorantreiben

 

Die Gaslieferungen nach Deutschland könnten also vorerst weiter bezahlt werden. Es könne aber passieren, dass Deutschland absehbar auf russisches Gas verzichten müsse. "Ich denke, das Kalkül der deutschen Politik ist, hier noch etwas über den Winter zu kommen, die Lagerbestände aufzufüllen", sagt Hüther. Über den Sommer werde man dann wahrscheinlich die Zeit nutzen, um Alternativen für den Gasimport aus anderen Ländern zu schaffen.

Die restlichen Sanktionen seien für die deutsche Wirtschaft weniger bedeutend. "Gerade zwei Prozent des deutschen Exports gehen in die russische Föderation – da ist ganz eindeutig zu erkennen, dass Russland getroffen wird", sagt der IW-Direktor. Schon seit 2014 sei Russland "sanktionsgeplagt", die Entwicklung der russischen Wirtschaft werde dadurch erheblich gehemmt.

Milliarden für die Bundeswehr finanziell machbar

 

Das geplante Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr sei machbar, betont Hüther. Es gebe einen Nachholbedarf. "Meine Vermutung ist, man nutzt das Jahr 2022, wo die Schuldenbremse noch ausgesetzt ist, um eine Notfallklausel in Gang zu setzen mit Blick auf die neue Gefährdung und dafür dann ein Sondervermögen einzurichten, das vorab mit Kreditermächtigungen ausgestattet wird", so Hüther.

Politisch seien die Sanktionen allerdings zunächst wirkungslos. "Wir können einen Kriegsverbrecher nicht von seinen Verbrechen abhalten", sagt Hüther. Am Ende aber werde man Putin doch stoppen. Die Sanktionen würden nicht spurlos an dem Land vorbeigehen. "Ich würde es auch nicht für unplausibel halten zu sagen: Es ist auch das Ende von Putin, was hier gerade beginnt", sagt Hüther.

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