Ein Mann läuft vorbei in der Nähe eines behelfsmäßigen Kontrollpunkts mit einer Barrikade aus Panzersperren und Sandsäcken im Zentrum von Kiew inmitten Russlands Invasion in die Ukraine.
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Krieg in der Ukraine - DW-Journalist: "Kiewer lassen sich Alltag nicht nehmen"

Das russische Militär hat angekündigt, die Kampfhandlungen Richtung Kiew radikal zu verringern. Im Zentrum gebe es noch ab und zu Fliegeralarm – "aber im Großen und Ganzen ist es eine Stadt, die wieder ein bisschen zum Leben kommt", sagt Deutsche-Welle-Journalist Nick Connolly, der in Kiew ist.

"Wir hören immer noch in der Ferne Artilleriebeschuss", berichtet Connolly. "Immer wieder wird auch was von der ukrainischen Armee etwas aus dem Himmel geholt, also Raketen." Das habe sich bisher nicht verändert. Es gebe auch weiterhin Berichte, dass russische Soldaten sich auf eine längere Belagerung von Kiew einrichteten, etwa durch Schützengräben. "Ganz gebannt ist die Gefahr für die ukrainische Hauptstadt nicht", so der Journalist.

Im Zentrum der Stadt sei das Kriegsgeschehen bisher ohnehin nicht so spürbar gewesen, meint Connolly, auch wenn es weiterhin Luftalarme gebe. Die Menschen würden von Zeit zu Zeit in U-Bahn-Stationen oder Kellern Zuflucht suchen. "Wobei: Mit jeder Woche hat man das Gefühl, dass die Leute damit auch ein bisschen entspannter umgehen, weil sie sich einfach den Alltag nicht nehmen lassen wollen."

Die größte Gefahr habe immer für die Vororte und Randgebiete von Kiew bestanden. Das werde nun ein wenig besser, sagt der Deutsche-Welle-Mitarbeiter. Im Zentrum der Stadt würden jetzt auch wieder Restaurants und Friseurläden öffnen. "Man hat das Gefühl, dass die Leute, die geblieben sind, sich ein bisschen damit zurechtgefunden haben, dass sie jetzt im Krieg leben."