Leitungen und Tanks im Grosstanklager Ölhafen Rostock (GÖR) an der Ostsee.
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Krieg in der Ukraine - Wirtschaftsexperte: "Russland ist nicht auf Deviseneinnahmen des Westens angewiesen"

Noch immer sucht der Westen nach geeigneten Sanktionen, um Russland zum Ende des Krieges in der Ukraine zu bewegen. Der Wirtschaftsexperte Stefan Kooths erklärt, warum ein Exportstopp von Hochtechnologiegütern für dieses Ziel wichtiger wäre als ein Ölembargo.

Gesamtwirtschaftlich könne Deutschland ein Ölembargo gegen Russland verkraften, "weil wir Öl eben insgesamt auf den Weltmärkten einkaufen können", sagt Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Allerdings sehe das anders für leitungsgebundene Versorgung wie bei der PCK Raffinerie in Schwedt. Für diesen Einzelfall müsse es Substitutionsmöglichkeiten geben.

Einfluss auf Kriegsfähigkeit: Russland sollte möglichts wenig Güter aus der übrigen Welt beziehen können

 

Russland hingegen sei nicht auf die Deviseneinnahmen des Westens angewiesen. Für das Führen eines Krieges sei es wichtig, dass man in der übrigen Welt Güter kaufen kann. Daher gilt laut Kooths: "Solange es Länder auf der Welt gibt, die bereit sind, Russland zu beliefern, wird Russland diese Länder auch immer mit beispielsweise Öllieferung bezahlen können."

Ein Stopp von Gaslieferungen an den Westen hätte andere Auswirkungen als ein Stopp von Öllieferungen. Denn das Gas könne nicht kurzfristig nach Asien umgelenkt werden.

Wirtschaftsexperte Kooths: "Die Zeit spielt gegen den Kreml"

 

Aus Sich des Wirtschaftsexperten "wäre es besser andere Länder in diesen Exportstopp einzubinden." Dafür sollte es Anreize und Kompensationen geben.

"Die Zeit spielt gegen den Kreml, je länger die Sanktionen in Kraft sind", erklärt Stefan Kooths. Wenn keine Erstatzteile und Hochtechnologiegüter nach Russland gelangen, desto schwieriger werde es für die Wirtschaft und das Aufrechterhalten des Kriegs, sagt der Experte.

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