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#wirmüssenreden: Woher kommt unser Strom? - Wer verbraucht die meiste Energie in der Region?

Der katastrophale Unfall im Kernkraftwerk von Fukushima 2011 führte in Deutschland zu einer Wende in der Stromerzeugung: Bis Ende 2022 sollen alle AKWs geschlossen sein. Wer verbraucht eigentlich die meiste Energie bei uns in der Region? Von Götz Gringmuth und Annette Miersch

Wenn vom Energie-Verbrauch die Rede ist, dann zählt da mehr dazu als nur der Strom. Vielmehr werden alle Träger von Energie in die Rechnung einbezogen, die den Verbrauchern zu Verfügung stehen. Also neben dem Strom auch Fernwärme, Kohle, Gas, Erdöl, Erdölprodukte, und erneuerbare Energie-Träger, wie Wasser oder Biomasse.

Deren Nutzung nach Sektoren oder Branchen aufgeschlüsselt zu vergleichen, ist nicht einfach. Die statistischen Methoden der Bundesländer sind teils sehr unterschiedlich.

Einen zumindest groben Vergleich liefern die Datenreihen des deutschlandweiten "Länderarbeitskreises Energiebilanzen". Hier wird schnell klar: Während Brandenburg und Berlin beim reinen Stromverbrauch recht nahe beieinander liegen – ist Brandenburg beim Energie-Verbrauch deutlich Spitzenreiter:

Mit ca. 320.000 Terajoule im Jahr verbraucht das Land derzeit rund ein Drittel mehr Energie als die Hauptstadt. Berlin hat 234.000 Terajoule auf dem Tacho. – Zum Vergleich. Bayern und Baden-Württemberg nutzen jeweils das fünffache davon an Energie, Nordrhein-Westfalen verbraucht sogar 10 Mal so viel.

Die Gründe für den höheren Energieverbrauch in Brandenburg liegen auf der Hand: Das Land hat viel mehr Schwerindustrie als Berlin, also Metallerzeugung und -verarbeitung, Tagebaue, dazu große Petro-Chemie- und Logistik-Unternehmen.

Dementsprechend verbraucht die Industrie in Brandenburg fast ein Drittel der ganzen Energie im Land. Ein richtig fetter Brocken. Dicht gefolgt vom Verkehr sowie privaten Haushalten. Der Energiebedarf aller 3 Bereiche steigt.

In Berlin dagegen fällt die Industrie in der Energie-Gesamtbilanz fast unter den Tisch: Gerade mal 5 Prozent schlagen bei ihr aktuell zu Buche. Den weitaus größten Posten hier macht die Gruppe "Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und private Haushalte" aus. 60 Prozent schluckt dieser Bereich.

Beim Energieverbrauch im Verkehr sind sich beide Länder dicht auf den Fersen: Rund 77.000 Terajoule verpufft derzeit Berlin, rund 87.000 Brandenburg. Berlin führt beim Flugverkehr, Brandenburg auf der Straße.

Schauen wir noch auf den Entwicklungs-Trend: In den letzten 10 Jahren sinkt der Energieverbrauch in Berlin – in kleinen Schritten, aber kontinuierlich. In Brandenburg dagegen steigt er an, besonders stark in Industrie und Haushalten.

Das heißt, beim Verbrauch ist Brandenburg vom Erreichen seines Klimaziels weit entfernt. Lichtblick: Der Anteil an Erneuerbaren Energien wächst in beiden Ländern deutlich.

Während Berlin in den letzten 10 Jahren beinahe kontinuierlich in kleinen Schritten den Energie-Verbrauch vielen Bereichen senken kann, - steigt der Verbrauch in Brandenburg.

Auffällig hoch ist dabei der Anstieg des Energie-Bedarfs bei den Privathaushalten. Aber: Allein am Strom-Verbrauch kann das nicht liegen. Denn der geht nach einem Hoch 2015 wieder zurück.

Die aktuellen Zahlen des "Amtes für Statistik Berlin Brandenburg" aus dem Jahr 2018 zeigen: Die Privat-Haushalte jeweils in Berlin bzw. Brandenburg verbrauchen fast die gleiche Menge Strom: Berlin 4.167 Millionen kWh im Jahr. Brandenburg – 3.591 Millionen kWh. Für die gesamte Region also ein Verhältnis von rund 54% zu 46%.

Spannend, da Berlin fast doppelt so viele Haushalte hat, rund 2 Millionen, Brandenburg dagegen hat nur rund 1,3 Millionen. Und die sind verstreut übers Flächenland. Eine mögliche Erklärung dafür, dass Brandenburger die mit Abstand meiste Energie fürs Heizen nutzen, gefolgt von warmem Wasser.

Unterm Strich lässt sich zusammenfassen, dass ein Brandenburger Haushalt im Durchschnitt fast ein Drittel mehr Strom verbraucht als ein Berliner Haushalt.

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