Während der Versammlung unter dem Motto "Denkpflicht statt Impfpflicht" am Volksfestplatz wird ein Banner mit der Aufschrift "Uns zwingt ihr nicht" hochgehalten.
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- Spaltet der Impfstreit die Gesellschaft, Herr Martenstein?

Die Fronten zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern scheinen verhärtet. Auch eine Impfpflicht würde daran nichts ändern, ist "Tagesspiegel"-Kolumnist Harald Martenstein überzeugt. Zwang würde die Menschen nur in ihrer Angst vor der Impfung bestätigen, so der Autor.

Die Spaltung in der Gesellschaft sei da, das sei in fast jedem Bekanntenkreis zu spüren. Es sei nachvollziehbar, dass Diskussionen sehr emotional geführt würden, so Martenstein. "Ich sehe, dass eine Impfung ein körperlicher Eingriff ist und das macht Menschen Angst."

Diese Angst müsse man als Tatsache anerkennen, so der Publizist. Eine Impfpflicht sieht Martenstein deshalb kritisch. "Auf Menschen Druck auszuüben, die vor irgendetwas Angst haben, ist sicherlich die falsche Methode."

Martenstein: Impfpflicht führt zu Verhärtung

 

Stattdessen solle der Staat weniger autoritär auftreten und sich stärker auf Aufklärung konzentrieren. "Man müsste auch von staatlicher Seite vielleicht weniger panisch sein", sagt Martenstein. Die Impfquote in Deutschland dürfe zwar noch steigen, sie liege mit rund 75 Prozent aber im internationalen Vergleich aber im Mittelfeld.

"Ein Druck, wie er durch einen Impfzwang aufgebaut würde, würde die Leute in ihren Ängsten eher bestätigen als sie aus den Ängsten herausführen." Das führe zu einem Phänomen, das man "Reaktanz" nenne: "Das heißt, die Leute verhärten."