Demo gegen Corona-Massnahmen in Osnabrück
Bild: Fotostand

- Impfgegner: "Viele haben eine falsche Vorstellung von Freiheit"

Überall in Deutschland haben Menschen gegen die Corona-Beschränkungen und die geplante Impfpflicht demonstriert. Sind die Teilnehmenden wirklich alle Radikale? Der Kommunikationswissenschaftler Ralf Hohlfeld unterscheidet drei Gruppen von Impfgegnern.

Der Professor für Kommunikationswissenschaften ist skeptisch, dass sich die Mehrheit der Demonstrierenden noch erreichen und überzeugen lasse. Es gebe drei unterschiedliche Gruppen von Impfunwilligen: Die Ängstlichen, die Selbstbewussten und die Aggressiven.

 

"Massive Demokratiedefizite"

 

Die erste Gruppe könne man möglicherweise noch erreichen und mit klaren Informationen überzeugen, so Hohlfeld. Zur zweiten Gruppe zählten viele Antroposophinnen, Esoteriker und Naturheilkundler, die überzeugt seien, das Coronavirus könne ihnen nichts anhaben. Diese Gruppe drifte immer weiter in Richtung der dritten, der Aggressiven. "Die fanden unsere pluralistische, offene Gesellschaft schon immer schlecht und haben massive Demokratiedefizite", erklärt der Kommunikationswissenschaftler. Man könne nicht davon ausgehen, dass sich die letzten beiden Gruppen noch irgendwie überzeugen ließen.

Trotzdem sei es gut zu versuchen, wenigstens eine Minderheit der Impfgegner noch zu überzeugen. Gelingen könne dies möglicherweise durch gut gemachte Marketing-Kampagnen. Auch "bekehrte" Menschen wie der Fußballspieler Joshua Kimmich, der seine Meinung geändert hat, könnten eine Wirkung auf einige Skeptiker haben.

 

Individualistischer Freiheitsbegriff ohne Solidarität zur Gesellschaft

 

Das Klischee der Deutschen als extrem regeltreue Bürgerinnen und Bürger sei so nicht mehr zutreffend. Die Gesellschaft habe sich sehr stark differenziert. "Es gibt einfach sehr viele Menschen bei uns in Deutschland, die haben einfach eine ganz falsche Vorstellung von Freiheit, die haben so einen individualistischen Freiheitsbegriff, der nicht begreift, dass die Freiheit immer nur im sozialen Kontext mit Solidarität gegenüber der Gesellschaft funktioniert", erklärt Hohlfeld.