Frisches Fleisch liegt in der Auslage einer Berliner Metzgerei (Bild: dpa / Jens Kalaene)
dpa / Jens Kalaene
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- Besser Fleisch essen

In Deutschland wird immer noch viel zu wenig auf die Qualität von Fleischprodukten geachtet. Im Rahmen der ARD-Themenwoche #WIELEBEN erklärt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale, wie Fleischkonsum tierwohlgerechter und klimafreundlicher werden kann.

Klaus Müller isst immer noch gerne Fleisch. Eine besondere Vorliebe hat der ehemalige Grünen-Landwirtschaftsminister Schleswig-Holsteins für das Deichlamm aus Nordfriesland. "Der Geschmack von Salzwiesenlämmern ist einfach unübertroffen.“

Müller, der mittlerweile im Bundesvorstand des Verbraucherschutzverbands sitzt, achtet sehr genau darauf, was für Fleisch er kauft. "Wenn es geht, schaue ich auf die Herkunft und ob ich den Metzger kenne.“ Es komme aber auch vor, dass er im Supermarkt schnell zugreife, gibt der Verbraucherschützer zu.

Qualität nicht erkennbar

Insgesamt sei die Qualität von Fleischprodukten in Deutschland immer noch viel zu schwer erkennbar, findet Müller. "Dadurch ist der Preis der einzige Entscheidungsfaktor an der Ladentheke, und der wird natürlich immer möglichst nach unten gedrückt.“

Verantwortlich hierfür sei auch die Subventionspolitik in Europa, die bei landwirtschaftlichen Produkten viel zu lange auf möglichst viel und möglichst billig gesetzt habe. "In Zeiten, in denen der Geldbeutel bei vielen Menschen noch knapper war, war das sicherlich rational“, so der Grünen-Politiker. Heute sei das jedoch hemmungslos übertrieben.

Fleischproduktion als Schlüssel

Zusätzlich konzentriere sich in Deutschland sehr viel Macht auf der Seite der Händler. Das sei zwar gut für niedrige Preise, erklärt Müller. Aber es setze auch die Landwirte erheblich unter Druck, billig zu produzieren, weil sie sich nicht durch eine Kennzeichnung von Qualität abheben könnten.

Ansetzen will der Grünen-Politiker aber sogar noch einen Schritt früher, bei der Fleischproduktion. Inzwischen gebe es in Deutschland einen breiten Konsens, dass die Fleischindustrie viel zu wenig auf das Tierwohl achte.

"Eigentlich muss die Messlatte sein, dass der Landwirt ein gesundes Tier aufgezogen hat. Und nur dafür darf es auch eine Honorierung geben“, fordert Müller. Dafür brauche es gesetzliche Standards, die dann auch kontrolliert und durchgesetzt werden.

Verbindliches Tierwohllabel

Der ehemalige Landwirtschaftsminister fordert deswegen ein staatliches Tierwohllabel, das mit ehrgeizigen Kriterien deutlich machen muss, welches Fleisch die Standards erfüllt und welches Fleisch sogar noch darüber hinausgeht und so einen höheren Preis wert ist.

Aufgrund des geltenden EU-Rechts dürfe Deutschland ein solches Label auf nationaler Ebene nur auf freiwilliger Basis einführen, schränkt Müller ein. Entscheidend sei deswegen ein verbindliches Label für die gesamte EU.

"Das wäre eine Wettbewerbsgleichheit, bei der sich niemand mehr wegducken könnte.“ Außerdem könnten die Verbraucher die Fleischqualität damit selbst erkennen und würden dann auch mehr dafür bezahlen, ist sich der Verbraucherschützer sicher.