Durch eine Lupe sind die Buchstaben "FAKE" über einer Computertastatur zu lesen (Bild: imago images / Panthermedia)
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- Patrick Gensing checkt Fakten gegen Fake News

Gezielt falsche Behauptungen verbreiten sich in Zeiten des Internets besonders schnell. Wie diesen Mechanismen entgegengewirkt werden kann, damit beschäftigt sich der Journalist und Projektleiter des „ARD-Faktenfinders“ Patrick Gensing. Inforadio-Redakteur Christian Wildt hat mit ihm darüber gesprochen, was genau "Fake News" sind und wie man diese erkennen kann. 

Es sei wichtig, zwischen handwerklichen Fehlern im Journalismus und "Fake News" zu unterscheiden, erklärt der Buchautor von "Fakten gegen Fake News". Unbewusste Fehler sind demnach noch keine gezielten Falschmeldungen. "Fake News zeichnen sich dadurch aus, dass sie bewusst eingesetzt werden, um Menschen in die Irre zu führen", so Patrick Gensing.

Falschmeldungen werden dadurch begünstigt, dass etwa Zitate zu stark gekürzt oder Teile davon aus dem Kontext gerissen werden, erklärt der Faktenchecker. Es komme auch vor, dass Falschmeldungen erfunden werden. Als Faktenchecker sei es die Aufgabe, abzugleichen, woher die Meldung stamme oder ob es auch andere Quellen für die Angaben gebe. Sind Fake News bereits verbreitet, sei es eine Herausforderung, das richtig zu stellen.

"Desinformation ist keine Erfindung unserer Zeit"

Jeder Nutzer habe eine Verantwortung, bevor er etwas verbreite, sagt Gensing. Denn Internetnutzer seien nicht nur Empfänger von Nachrichten, sondern oft auch Sender, wenn sie etwa Inhalte teilen. Zuvor müsse man schauen, wo das herkomme, sagt er.

Ob etwas geglaubt werde, hänge auch von der Masse und Wiederholung ab. Studien zeigen: "Je öfter ich etwas höre, erhöht das die Glaubwürdigkeit", sagt der Journalist. Allerdings weist er auch darauf hin: "Desinformation ist keine Erfindung unserer Zeit." Das Internet spiele eine Rolle, sei aber nicht die Ursache.

"Junge Menschen haben eine gesunde Skepsis gegenüber Inhalten aus sozialen Netzwerken"

Zahlreiche Profile, die falsche Nachrichten verbreiten, präsentierten sich bei Twitter so, dass sie nicht als Trolle zu erkennen sind, sagt Patrick Gensing. Die Accounts zeigen demnach oft Frauen, die politisch interessiert seien. Die Twitteraktivität zeige aber, dass sich die Accounts den ganzen Tag mit Politik beschäftigten "und zwar sehr genau in der Agenda der AfD", so Gensing.  

Das große Ziel hinter der gezielten und zahlreichen Verbreitung von Fake News sei, einem politischen Gegner zu schaden. Die größere Erzählung dahinter sei, dass Deutsche vernachlässigt würden. Außerdem gebe es Verschwörungstheorien, die von einem Volksaustausch ausgehen. Allerdings sagt der Autor: "Junge Menschen haben eine gesunde Skepsis gegenüber Inhalten aus sozialen Netzwerken."

Unterschiedliche Perspektiven auf die Welt

"Es gibt nicht unbedingt die eine Wahrheit, es gibt vielmehr unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungen in der Welt", sagt Gensing. Die Aufgabe für ihn als Faktenchecker sei es, ein realistisches Bild zu zeichnen und glaubwürdige Quellen zu finden. Vom allgemeinen Konsens, faktenbasiert zu argumentieren, haben sich aber Teile der Öffentlichkeit verabschiedet, kritisiert der Faktencheker.

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