Auf einem Smartphone sind mehrere Social Media Apps abgebildet (Bild: picture alliance / empics | Yui Mok)
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Interview - Europawahl: Wie Desinformation in sozialen Medien funktioniert

Die Mehrheit der Deutschen sieht die Verbreitung von Desinformationen im Internet als erhebliches gesellschaftliches Risiko. Das ergibt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Kurz vor der Europawahl sei in den Ländern bei ganz unterschiedlichen Themen Desinformation zu erwarten, sagt Cathleen Berger, Mitautorin der Studie.

Parodie und Gossip-Gerüchte zählten nicht zu den Fake News, erklärt Politikwissenschaftlerin Cathleen Berger. "Bei Desinformation geht es explizit darum, gezielt Meinung zu manipulieren." Ein gutes Beispiel dafür sei aktuell die Geschichte, dass es in Frankreich überall Bettwanzen gebe. Die französische Regierung wirft Russland eine gezielte Destabilisierungskampagne vor.

Berger: "Desinfomation wird erst ganz am Ende politisch"


"Genau das ist das, was wir beobachten: dass Desinformationen erst ganz am Ende politisch werden", sagt Berger. "Vorher wird dieser Nährboden bereitet - über Themen, die irgendwie gesellschaftlich kontrovers sind.“ Das könnten zum Beispiel Maßnahmen gegen die Klimakrise, der Umgang mit der Inflation oder Genderfragen sein.

"Dort wird gezielt polarisiert, sodass es so wirkt, als ob man ganz laute Pole hat, und Ängste geschürt", erklärt die Politologin. "Und dabei wird aber ein relativ großer Teil derer, die vielleicht in der Mitte sind und das Ganze ein bisschen ausgeglichener sehen, gar nicht mehr gehört."

Fake-News-Themen verändern sich ständig


Das mache die Untersuchung von Fake News und Desinformation auch so schwierig, weil die Themen immer andere seien, erklärt die Mitautorin der Studie der Bertelsmann-Stiftung. Sie rechne damit, dass die Inhalte von Desinformation hinsichtlich der Europawahl in den Ländern ganz unterschiedlich sein werden.

Die EU versuche, dieser Entwicklung mit Regeln für Plattformen wie Tiktok, Facebook, Instagram, X oder Snapchat entgegenzuwirken - etwa mit dem Gesetz für Digitale Dienste. Allerdings gebe es noch Nachbesserungsbedarf. "Es ist großartig, dass wir so viele Vorschriften haben", sagt Berger. "Aber die müssen natürlich auch durchgesetzt werden."

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