Kinder im Gazastrefen stehen für Essen an
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Interview - Humanitäre Lage in Gaza: SOS-Kinderdorf evakuiert

Im Rahmen einer humanitären Hilfsaktion sind Kinder und Mitarbeiter aus dem SOS-Kinderdorf Rafah im Süden des Gazastreifens vorübergehend nach Bethlehem im Westjordanland evakuiert worden. Wie schwierig das war, berichtet Lanna Idriss, Vorständin von SOS Kinderdörfer weltweit.

Lanna Idriss hat die Evakuierungsaktion seit Oktober 2023 mit vorbereitet und sie dann vor Ort begleitet. Sie sei "sehr erleichtert", dass alles geklappt habe, sagt die Vorständin von SOS Kinderdörfer weltweit. Die Evakuierung sei wegen der Kämpfe in der Region nötig geworden. Ganz in der Nähe des Kinderdorfs Rafah habe es Bombardierungen gegeben. Außerdem seien durch den anhaltenden Flüchtlingsstrom sehr viele Menschen in die Gegend gedrängt.

"Und da wir im Kinderdorf nicht viele Männer haben und zu diesem Zeitpunkt auch geringfügiges Sicherheitspersonal, war die Lage für die Kinder von vornherein sehr, sehr gefährlich", so Idriss. Das Auswärtige Amt habe die Evakuierung in die Wege geleitet und dafür mit mehreren Parteien verhandelt. "Das war hochgradig komplex und herausfordernd."

Acht Stunden warten in Ägypten


Man habe die Kinder auch nicht einfach aus dem Gazastreifen abholen können, erklärt die SOS-Kinderdörfer-Vorständin. Vorab mussten erst für alle Kinder Pässe beschafft werden. Der Dorfleiter, die Kinder und die Betreuer hätten sich dann auf den Weg gemacht.

"Wir haben auf der ägyptischen Seite gewartet - das hat fast acht Stunden gedauert", erzählt Idriss. "Und ich werde in meinem Leben nicht vergessen, als ich im Walkie Talkie das erste Mal Kindergeräusche im Hintergrund gehört habe und wusste, dass sie ab diesem Zeitpunkt in Sicherheit sind."

Im Gazastreifen mussten die Kinder laut Idriss in den vergangenen fünf Monaten unter schwierigen Bedingungen leben - mit rationiertem Essen und ohne Möglichkeit, das Dorf zu verlassen. "Jetzt haben sie plötzlich Platz und können draußen spielen", so Idriss. "Das ist wie eine Explosion der Freude." Es sei aber auch deutlich erkennbar, dass die Kinder vom Krieg im Gazastreifen traumatisiert sind.

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