Baustelle Pepitahöfe (Bild: WBM / Kilian-Immobiliengruppe / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen)
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Die Wirtschaftsreportage - Bauen in der Krise

Noch hält Berlins Bausenator Andreas Geisel am Neubau-Ziel fest. Aber der Preis, zu dem sich die Baukräne weiterdrehen, ist hoch: Vor allem für Material und Kraftstoff liegen der Kostenanstieg über der Inflationsrate. Was bedeutet dies für die Neubauprojekte und die Wohnungswirtschaft? Von Jannis Hartmann

Das Bündnis für Wohnungsneubau und bezahlbares Wohnen hat zum Ziel, dass in Berlin 100.000 neue Wohnungen bis 2026 gebaut werden - 60.000 durch private Wohnungsunternehmen, 35.000 durch die landeseigenen, die Genossenschaften sollen 5000 bauen.

Doch ist dies noch ein realistisches Ziel? Das Bauen teurer wird, beobachten Unternehmen und Genossenschaften schon seit rund fünf Jahren. Es begann mit steigenden Holz- und Stahlkosten, dann legte Corona die Lieferketten lahm, Arbeitskräfte fehlen krankheitsbedingt aus, und als die Inflation anzog, wurden auch noch die Kredite teurer. Seit dem Krieg in der Ukraine steigen auch noch Strom-und Kraftstoffpreise.

Nicht das Ziel ändern, sondern den Weg

Bausenator Andreas Geisel hält an den Neubau-Zielen fest, denn "Wir haben uns die Zahlen ja nicht ausgedacht, weil wir sie schön finden, sondern weil der Bedarf da ist. Berlin ist um 340.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen zehn Jahren gewachsen. Das ist zweimal Potsdam."

Um den Neubau möglichst schnell voranzutreiben, will er deregulieren. Baugenehmigungen sollen nun häufiger über Paragraf 34 des Baugesetzbuchs erfolgen. Dann könnten Unternehmen auch ohne Bebauungsplan loslegen. Der Nachteil: Die Stadt verliert damit die Kontrolle, wie viele Sozialwohnungen auf der Baufläche entstehen. Für Geisel ist das trotzdem der bessere Weg: "Wer soll denn diese ganzen Bebauungspläne in überschaubaren Zeiten überhaupt realisieren? Ein Bebauungsplan braucht im Durchschnitt vier bis fünf Jahre, mancher Bebauungsplan dauert acht Jahre, mancher noch länger. Und wir haben eine begrenzte Anzahl von Mitarbeitern und Mitarbeitern. Das sind Wunschvorstellung, dass das alles sorgfältig geplant wird."

Bauturbo gerät ins Stocken

Doch es knirscht im Gebälk. So wünscht sich etwa Carsten Röding, Vorstandsmitglied der Charlottenburger Baugenossenschaft, eine höhere Förderung für den Dachgeschossausbau und mehr Unterstützung bei Genehmigungsprozessen. Auch an Bauland fehle eine Zusage des Senats. Denn lediglich 25 Prozent der landeseigenen Baugrundstücke zur Verfügung zu stellen, hält er für nicht ausreichend. Und die Krise schlägt auch hier ins Kontor: "Die Baukosten haben sich von der Kostenschätzung bis zum jetzigen vorläufigen Kostenanschlag nicht nur um 20 oder 25 Prozent, sondern sogar um 40 Prozent erhöht. Und das ist für eine Genossenschaft schon eine große Hausnummer."