Frauen in Kabul warten auf Lebensmittelrationen, die von einer humanitären Hilfsorganisation aus Saudi-Arabien verteilt werden (Bild: dpa / Ebrahim Noroozi)
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Vis à vis - Wie geht es den Afghaninnen heute, Frau Babori?

2001 galt die Stärkung der Frauenrechte noch als Legitimation für das militärische Eingreifen in Afghanistan. Doch heute lässt man die Frauen völlig im Stich, sagt Shikiba Babori. Ursula Voßhenrich hat mit der Autorin über die Situation der Afghaninnen ein Jahr nach dem Abzug des Westens gesprochen.

Wenn sich Shikiba Babori an den Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan und die erneute Machtübernahme der Taliban vor einem Jahr erinnert, ist das für sie wie ein Alptraum – nicht nur wegen der Frauen und Mädchen in Afghanistan, sondern wegen der gesamten intellektuellen Gesellschaft des Landes.

Die in Afghanistan geborene Babori hat in ihrem Geburtsland ab 2003 für die Deutsche Welle angehende Journalistinnen ausgebildet. Immer wieder sei dort die Frage aufgekommen, was passieren würde, wenn die Taliban wieder an die Macht kommen. "Und dann haben wir alle als Team gesagt, keine Sorge, dass wird schon nicht passieren, die Zivilgesellschaft ist hier schon so aufgebaut." Doch dann sei es doch genauso gekommen.

Schlimmste Befürchtung wird Realität

 

Vor allem in den Großstädten habe sich das Leben für Frauen seitdem drastisch verändert. "Für die Frauen, die in den letzten zwanzig Jahren die Fortschritte leben konnten und darin auch gearbeitet haben und Ausbildungen gemacht haben, die dürfen seit dem letzten Jahr nicht mehr arbeiten", berichtet die Journalistin.

Mit ein paar der Journalistinnen, mit denen Babori in Afghanistan zusammengearbeitet hat, habe sie immer noch Kontakt. Von anderen habe sie dagegen schon lange nichts mehr gehört, sagt die Autorin. Das bereite ihr schlaflose Nächte. "Ich habe keine Ahnung was mit denen passiert ist."

Zu viel Symbolpolitik des Westens

 

Insgesamt sei die Lage in Afghanistan derzeit sehr schlecht. Die Arbeitslosigkeit sei seit dem NATO-Abzug deutlich angestiegen, weil viele Menschen für internationale Organisationen oder die inzwischen nicht mehr vorhandene afghanische Regierung gearbeitet hätten, so Babori. Außerdem mache sich die Klimakrise auch in Afghanistan bemerkbar durch Dürren und Trockenheit. Dadurch sei auch die Anzahl der Binnengeflüchteten deutlich gestiegen.

Als Grund für den Zusammenfall des neuen Afghanistans nennt Babori vor allem die Korruption. Zu oft sei Geld des Westen an die afghanische Regierung gegangen ohne die Hilfsgelder an Bedingungen zu knüpfen. Außerdem habe sich der Westen in Afghanistan nie ganz darauf einigen können, ob es nun darum gehe Terroristen zu eliminieren, die Demokratie aufzubauen, oder Menschen- und Frauenrechte zu stärken. Am Ende habe es zu viel Symbolpolitik ohne echte Veränderung gegeben.