ARCHIV, 2007: Dagobert Arno Funke und der ehemalige Leiter des MEK-Berlin, Martin Textor (Bild: imago images/Eventpress)
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Vis à vis - Martin Textor: Auf der Jagd nach Dagobert

Als vor dreißig Jahren in einer Hamburger Karstadt-Filiale eine Rohrbombe detonierte, begann eine der ungewöhnlichsten Verbrecherjagden der letzten Jahrzehnte. Gesucht wurde ein Erpresser, der als "Dagobert" die Polizei zum Narren hielt. Bis ihn der Berliner Fahnder Martin Textor doch noch schnappte. Von Christian Wildt

Als vor dreißig Jahren in einer Hamburger Karstadt-Filiale eine Rohrbombe detonierte, begann in Deutschland eine der ungewöhnlichsten und spektakulärsten Verbrecherjagden der letzten Jahrzehnte. Gesucht wurde ein Erpresser, der als "Dagobert" mit Sprengsätzen Kaufhausketten erpresste und die Polizei zum Narren hielt. Bis in der Berliner Polizist Martin Textor mit seinen Kollegen doch noch schnappte.

Dagobert alias Arno Funke habe es damals immer wieder geschafft, bei seinen Erpressungen, den Moment der Geldübergabe so zu gestalten, dass ihn die Polizei nicht fassen konnte, erklärt Martin Textor. Technisch sei Funke ein Genie gewesen, sagt der ehemalige Chef des Berliner SEK-Kommandos.

Ein Erpresser als Volksheld

 

Trotzdem will der pensionierte Polizist den Vorwurf, Dagobert habe die Sicherheitskräfte an der Nase herumgeführt, so nicht stehenlassen. "Wir könnten genauso gut sagen, wir haben ihn genarrt." Denn auch die Polizei vereitelte viele der Erpressungsversuche, in dem bei den Übergaben kein echtes Geld im Spiel war. Dagobert sei besonders bei den Momenten der Geldübergabe einfach übervorsichtig gewesen, so Textor.

Die Suche nach Dagobert war für die Polizei dennoch keine einfache Zeit. Die Presse stürzte sich auf die gescheiterten Versuche, den Erpresser zu fangen und bei der Bevölkerung erfreute sich Dagobert einer großen Beliebtheit. Zweidrittel der Deutschen fanden ihn sympathisch. Textor macht dafür auch die Medien verantwortlich. "Ich finde, der Fall wurde verharmlost."

Kommissar Zufall muss mithelfen

 

Um den erfinderischen Erpresser doch noch zu schnappen, machte sich die Berliner Polizei Dagoberts Verhalten zunutze, seine Forderungen von Telefonzellen aus bekanntzugeben. Textor und sein Team erstellten ein Raster der Telefonzellen in Berlin, von denen aus Dagobert die Behörden angerufen hatte. "Das waren zu 90 Prozent Telefonzellen aus dem Westteil der Stadt."

1500 Telefonzellen kamen infrage. "Dann bin ich zum Polizeipräsidenten gegangen und habe gesagt, ich brauche morgen mal 3000 Polizisten, weil er dann wieder anrufen wollte." Der Einsatz wurde durchgeführt, aber ausgerechnet an diesem Tag rief Dagobert aus Ostberlin an.

So musste am Ende Kommissar Zufall und das Bauchgefühl zweier Beamter helfen, gesteht Textor. Nachdem der Einsatz an den Telefonzellen gescheitert war, sei zwei Kollegen beim Zusammenpacken ein Mann in einem Auto aufgefallen, der sehr nachdenklich ausgesehen habe, erzählt Textor. Daraufhin habe man das Kennzeichen kontrolliert und sei auf einen Mietwagen gestoßen, der immer an den Tagen vermietet gewesen war, als Dagobert mit den Behörden Kontakt aufgenommen hatte. Mieter war ein gewisser Arno Funke.