Medizinisches Personal blickt während einer Operation auf einen Computermonitor (Bild: IMAGO / Westend61)
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Vis à vis - Björn von Siemens will mit künstlicher Intelligenz den OP-Saal revolutionieren

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden unser Gesundheitswesen revolutionieren, davon ist Björn von Siemens fest überzeugt. Wie er mit seinem in Berlin gegründeten Unternehmen Caresyntax, Operationen in Krankenhäusern weiterentwickeln will, hat er Karsten Zummack erklärt.

Es ist ein Beleg, in welche Richtung sich unser Gesundheitswesen entwickeln wird. 83 Millionen Euro hat das in Berlin gegründete Unternehmen Caresyntax von Björn von Siemens jüngst von Investoren eingesammelt. Damit will der Spross der Siemens-Familie mithilfe von künstlicher Intelligenz und neuen Datenlösungen Operationen im Krankenhaus revolutionieren.

Globale OP-Erfahrungen zur Verfügung stellen

 

Ärzte und Chirurgen müssen sich trotzdem keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, beschwichtigt von Siemens. "Wir sehen das System eher als unterstützende Lösung an, die den Operateur entlastet und die Operation sicherer macht." Letztlich würden so auch das Wissen und Können der Ärztinnen und Ärzte skalierbar werden.

"Der OP-Saal heutzutage besteht aus unterschiedlichen Geräten, die für den Eingriff und für die Überwachung des Patienten verwendet werden", erklärt von Siemens, "und diese Systeme vernetzten wir". So könne man täglich entstehende Datensätze sammeln und diese während und nach einer Operation zur Verfügung stellen, um das Arbeiten des Chirurgie-Teams einfacher zu machen. "Wir wollen die globalen Erfahrungen, die schon existieren, fallspezifisch zur Verfügung stellen."

Toter-Winkel-Assistent für das Chirurgie-Team

 

Konkret funktioniere das System über Visualisierung, erklärt der Unternehmer. Operationen würden heute vielfach mit videogestützten Systemen umgesetzt. "Und diese Informationen reichern wir an mit einer Art Toter-Winkel-Assistent, der warnt, wenn man einen Prozessschritt ausgelassen hat, oder wenn man zu schnell oder zu langsam vorgeht." Auch patientenspezifische Faktoren sollen dabei berücksichtigt werden.

In der digitalen Chirurgie passiere bis heute immer noch sehr wenig, erklärt von Siemens. "Das Ergebnis ist, dass wir sehr hohe Wahrscheinlichkeiten von Komplikationen haben." Im Schnitt hätten zwei bis drei Patienten bei ihrer Operation Komplikationen. "Dieses Risiko kann durch die Einbringung von digitalen Entscheidungshelfern sehr stark gesenkt werden." Inzwischen sei auch wissenschaftlich erwiesen, dass dadurch sowohl Zeit eingespart werden kann, als auch eine erhebliche Qualitätssteigerung möglich sei.