Medizinstudierende der Philipps-Universität Marburg, untersuchen sich im MARIS (Marburger Interdisziplinäres Skills Lab) gegenseitig selbst. (Bild: dpa)
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Vis à vis - Wie steht es um die Chancengleichheit, Frau Finger?

Im deutschen Bildungssystem bestimmt die soziale Herkunft noch immer über den Erfolg, den junge Menschen in der Schule und an der Uni haben. Warum das so ist, darüber hat Lena Petersen mit der Soziologin Claudia Finger gesprochen.

Die Wahl des Bildungsweges und damit die Berufswahl hängt in Deutschland stark von der Familie ab. Das bestätigen Studien der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit - OECD - Deutschland immer wieder. Claudia Finger arbeitet am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Es gebe für das Studium eine starke Variation an Zulassungsbeschränkung nach Fach und auch nach Ort, erklärt die Soziologin. So entscheiden sich Kinder aus Nichtakademikerfamilien eher dagegen zu studieren, wenn sie etwa für ein Studium der Medizin den Ort wechseln müssten. Kinder aus Akademikerfamilien hingegen blieben eher beim Studium und machten dann bei der Fachwahl Abstriche.

Zudem zeigen Studien, dass es auch eine Art der Berufsvererbung gibt. So seien etwa Kinder aus Arztfamilien im Medizinstudium überrepräsentiert. Claudia Finger spricht im Vis à vis über weitere Gründe für Herkunftsunterschiede bei der Wahl des eingeschlagenen Berufsweges und wie Leistungsdenken und strukturelle Barrieren das Denken beeinflussen und in der Gesellschaft verfestigt sind.