Der Wunsch vieler seiner Kontakte, berichtet Sergijenko, ist ein Ende des Krieges
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Vis à vis - Wladimir Sergijenko: Die Wirklichkeit ist komplizierter

Der Journalist und Schriftsteller Wladimir Sergijenko wurde im ukrainischen Lwiw geboren, lebt seit fast 30 Jahren in Berlin, schreibt Bücher und Artikel für das deutsche Publikum und hat aber auch eine Sendung im staatlichen, russischen Radioprogramm "Westi". Wie passt das zusammen? Darüber hat Dietmar Ringel mit Wladimir Sergijenko gesprochen.

Wladimir Sergijenko ist seit Ausbruch des Krieges in einer Zwickmühle: "Ich kann mich nicht anders identifizieren, als als Großeuropäer". Er glaubt an eine europäische Zukunft, auch wenn zur Zeit die Brücken und Verbindungen zwischen Lissabon und Wladiwostok nicht sichtbar seien, sagt er im Gespräch mit Dietmar Ringel.

Frieden statt Eisernem Vorhang

 

"Ich hätte gerne Frieden in Zukunft, statt eines eisernen Vorhangs", sagt er. Was Sergijenkos Arbeit angeht, versucht er unterschiedliche Quellen heranzuziehen, sieht sich verpflichtet, gegen Fake News anzugehen. Doch man könne sich auch verlieren, wenn man zu viele Informationen habe, gibt er zu bedenken.

Vernichtende Schlachten

 

Sergijenko vertraut zudem auf Augenzeugenberichte von Menschen, die an Orten wie in Mariupol vor Ort seien und sich gut auskennen würden. Die Medien sieht er zur Zeit vor einer "riesigen Verantwortung". Was einst als Infokrieg bezeichnet wurde, sei nun in eine vernichtende Informationsschlacht zwischen dem Westen und Russland umgeschlagen. Sieger sieht Sergijenko dabei keine.

Große Völkerverständigung liegt begraben

 

Für seine Sendung "Eurozone" zieht er europäische Quellen heran. Er bezeichnet sich selbst als den größten westlichen Kritiker der Diplomatie. Seiner Meinung nach haben die Eliten in Europa versagt. Er selbst hat es noch nicht erlebt, dass im russischen Radio Versuche unternommen worden wären, ihm das Wort zu verbieten.