Wie mit Kindern den Krieg verarbeiten und besprechen?
Robin Utrecht
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Vis à vis - Wie leidet die Psyche von Kindern im Krieg, Julia Asbrand?

Der Krieg in der Ukraine mit seinen schrecklichen Bildern erreicht auch Kinder. Wie aber redet man mit Kindern über dieses schwierige Thema? Das erläutert Julia Asbrand, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Humboldtuniversität in Berlin, im Gespräch mit Jörg Poppendieck.

Julia Asbrand
Julia Asbrand | Bild: privat

Eine Frage, die vermutlich viele Eltern gerade umtreibt: Sollte man Kinder vor Kriegsbildern in den Fernsehnachrichten schützen? "Auf jeden Fall", sagt Kinderpsychologin Julia Asbrand im Gespräch mit Jörg Poppendieck. Generell sei das meiste, was in den Tagesthemen oder Nachrichten gezeigt würde, nicht für Kinderaugen geeignet.

Keinen Zwang ausüben

 

Grundsätzlich sollten sich Eltern zunächst darüber klar werden, welche Gefühle die Bilder in ihnen selbst auslösen, rät Asbrand. Ist es Angst oder eher Wut? Vor einer Gesprächssituation mit den Kindern sei es wichtig, sich also selbst zu positionieren. Wenn ein Kind nicht über den Krieg sprechen wolle und auch keine Fragen dazu stelle, solle man es auf keinen Fall dazu drängen.

Gesprächsoption offenhalten

 

Dagegen sei es sinnvoll, Kindern das Angebot für ein Gespräch offenzuhalten, etwa wenn diese Bilder nicht einordnen können. Dabei sollte das Gespräch möglichst nicht vor dem Schlafengehen, sondern beispielweise am Nachmittag geführt werden. Bei schweigsameren Kindern könne man offen fragen, was sie gerade beschäftige.

Normalität schaffen

 

Julia Asbrand zeigt sich im Gespräch mit Jörg Poppendieck erfreut über das Hilfsangebot für geflüchtete ukrainische Kinder in den Willkommensklassen. Wichtig sei es, ihnen vor allem ein geordnetes Umfeld, Alltag und Normalität zu bieten. Beim Umgang mit möglichen Traumata und Erinnerungen sei es wichtig, den Kindern selbst den Zeitpunkt zu überlassen, wann sie über das Erlebte sprechen wollen.